Ist Rosmarin der Schlüssel zu (fast) ewigem Leben?

Im kleinen italienischen Dorf Acciaroli werden viele Einwohner schnell mal über 100 Jahre alt. Forscher wollen jetzt untersuchen, ob das etwas mit ihrem Rosmarinkonsum zu tun hat.

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Apr. 13 2016, 9:10am

Foto von Boris Mann via Flickr

Sobald wir in einer Pfütze unser Spiegelbild erblicken und auch nur ein einziges graues Haar ausfindig machen, suchen wir nach allen möglichen Mittelchen, um unsere Lebenszeit noch ein bisschen zu verlängern. Ein Lebenselixier, das den Alterungsprozess verlangsamt, sodass wir unser jugendliches Strahlen für immer bewahren können oder zumindest bis 80 noch keine Windeln tragen müssen.

Dieser Jungbrunnen versteckt sich vielleicht in unseren Gewürzregalen.

Forscher der University of California, San Diego und der Universität La Sapienza in Rom versuchen mit vereinten Kräften herauszufinden, warum die Einwohner des kleinen italienischen Küstendorfs Acciaroli in der Region Kampanien so lange leben. Und das hat vielleicht etwas damit zu tun, dass sie ziemlich freizügig beim Rosmarin sind.

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Bei den Dorfbewohnern gibt es weniger Herz-Kreislauf- und Alzheimererkrankungen und ihre Lebenserwartung liegt über dem Durchschnitt. An der Studie nehmen 300 Einwohner teil, die alle über 100 Jahre alt sind. Damit übersteigen sie die italienische und die deutsche Lebenserwartung (83 bzw. 81 Jahre) um fast 20 Jahre. Durch intensive Beobachtung der Ernährung und der Lebensweise der „Dorfältesten" wollen die Forscher nun herausfinden, worin der Schlüssel zu ihrem langen, gesunden Leben liegt.

In einer Pressemitteilung erklärt Professor Alan Maisel vom Bereich für Kardiologie der UC San Diego: „Mit dieser Langzeitstudie wollen wir herausfinden, warum diese 300 Menschen so lange leben. Dazu führen wir umfassende genetische Analysen durch und untersuchen auch ihre Lebensweise, wozu auch Ernährung und Sport gehören."

Die Forscher vermuten, dass das Geheimnis zu (fast) ewigem Leben im Essen versteckt ist. Wie bei vielen Menschen in Griechenland und Italien ist die Ernährung der Einwohner von Acciaroli ähnlich der Mittelmeerdiät, die für ihre Gesundheitsvorteile schon vielfach bejubelt wurde, da sie vor allem auf frisches Gemüse, Vollkornprodukte und „gesunde" Fette wie Olivenöl setzt. Aber viele der Gerichte in Acciaroli sind auch mit Rosmarin gewürzt.

Genau, Rosmarin, dieses unscheinbare Kraut, mit dem wir unser Lammkarree oder leckere Ofenkartoffeln gern mal aufpeppen, könnte die Einwohner von Acciaroli so fit halten. Bei Labortests konnte man dem mediterranen Gewürz schon antioxidative Wirkung nachweisen. Außerdem wird Rosmarin bei der Behandlung von Muskelschmerzen und bei Kreislaufproblemen verwendet.

Natürlich gibt es auch noch weitere Einflussfaktoren. Wie Alan Maisel berichtet, verfeinern die Einwohner Acciarolis nicht nur ihre Mittelmeerkost mit Rosmarin, sondern sie gehen auch jeden Tag in den Bergen wandern. Anders gesagt: Um über 80 zu werden, reicht es nicht, wenn man sich in jungen Jahren auf seinen Double Cheeseburger mit extra Bacon einfach ein bisschen Rosmarin streut.

Um genauer herauszufinden, welche Verknüpfung zwischen Ernährung und gesundem Altern besteht, werden die Forscher im nächsten halben Jahr Bluttests machen, Fragebögen verteilen und die 300 Einwohner auf ihr Risiko für Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs untersuchen.

Professor Salvatore Di Somma vom Bereich für Notfallmedizin und Unfallchirurgie der Universität Rom meint: „Mit diesem Projekt lüften wir nicht nur einige der Geheimnisse eines gesunden Älterwerdens, sondern knüpfen auch engere Beziehungen mit Wissenschaftlern weltweit, ein wichtiger Beitrag für die Forschung und die medizinische Versorgung unserer immer älter werdenden Bevölkerung."

Na, wie wäre es jetzt mit einem Glas von unserer Whisky-Cider-Rosmarin-Bowle?