Anti-Aging-Schokolade soll deine Haut von innen glätten

Esthechoc ist zu gleichen Teilen Schokoriegel und Beauty-Produkt, das scheinbar die unweigerlichen Spuren der Zeit verwischen kann—aber erwarte nicht, dass Schokolade mampfende Rentner mit dem Gesicht ihres Teenage-Ichs aufwachen. Tut mir leid, Oma.

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24 Februar 2015, 9:30am

Photo courtesy of Esthechoc.

Stell dir vor, du könntest die ersten Anzeichen, dass du älter wirst, einfach abwehren, indem du Schokolade isst. Blödsinn, denkst du dir.

Aber ein britisches Unternehmen behauptet, dass du mit ihrem Produkt genau das erreichst. Unter dem Namen Esthechoc produziert es hochwertige dunkle Schokolade angereichert mit dem gleichen Antioxidans, das Garnelen pink färbt, wenn sie gekocht sind. Und wenn man den Machern von Esthechoc-Schokolade Glauben schenkt, kann ihr Produkt die unvermeidlichen Spuren der Zeit in deinem Gesicht verschwinden lassen.

Esthechoc, hergestellt von Lycotec, einem Biotech-Unternehmen mit Forschungsbeziehungen zur Cambridge University, sieht gar nicht so anders aus, als dein Standard-Hipster-Schokoriegel. Und kommt übrigens auch mit einem hipstergemäßen Preisschild auf den Markt: Eine Box Esthechoc wird in Europa 35 Euro kosten, in Großbritannien sogar für 35 Pfund. Mit 72,6 Prozent Kakaomasse handelt es sich auf jeden Fall um eine dunkle Schokolade, die besondere Zutat ist aber eigentlich Astaxanthin.

Astaxanthin ist seit Jahren als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und steht in den Regalen der Bio-Supermärkte irgendwo neben den Bachblüten. Eine Studie aus dem Jahr 2014 fand heraus, dass Astaxanthin in Verbindung mit Kollagen-Hydrolysat zu „bedeutenden Verbesserungen in der Elastizität der Haut" beiträgt. In einer kleineren Studie konsumierten 30 Frauen Astaxanthin und trugen es oberflächlich auf, wodurch sich eine ganze Reihe von Hautproblemen wie Falten, Krähenfüße oder Altersflecken schon nach nur acht Wochen sichtlich verbessert hatten.

In einer weiteren Studie wurden Masthähnchen mit astaxanthinhaltiger Hefe gefüttert, was zu einer besseren Konsistenz und Speicherung der Feuchtigkeit im Vergleich zu Standardhähnchen führte, während der Geschmack unverändert blieb. Klar, das mag nicht unbedingt von Belang für die menschliche Alterung sein—aber wenn Astaxanthin diese Wirkung auf Hühnerfleisch hat, malen wir uns aus, was es für unsere Haut bewirken könnte.

Zugegebenermaßen geht Esthechoc nicht ganz so weit und die Behauptungen auf der Website sind mit wissenschaftlicher Objektivität formuliert: „Klinische Daten bestätigten die biologische Wirksamkeit und zeigen statistisch relevante Verbesserungen in den biochemischen und metabolischen Parametern nach dreiwöchiger Einnahme."

Diese „biochemischen und metabolischen Parameter" sind entscheidend. Wir sprechen hier also nicht von einem Schokoladenriegel, der Verjüngungswunder vollbringt, oder?

Ich sprach mit dem Geschäftsführer von Esthechoc, Dr. Ivan Petyaev, über die Behauptungen seines Unternehmens und fragte ihn, ob die Wirkung von Esthechoc auf die menschliche Haut mit bloßem Auge sichtbar seien. „Sichtbarkeit ist kein wissenschaftlicher oder medizinischer Parameter, daher haben wir das nicht gemessen", sagte er. „Aber die meisten Teilnehmer berichteten von erheblichen Verbesserungen ihrer Haut—von einem samtigen Gefühl und Glätte bis hin zu einer schöneren Erscheinung."

Petyaev beteuerte, Astaxanthin oral als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen und abschließend einen Schokoriegel zu essen, hätte nicht den gleichen Effekt wie Esthechoc. „Bei unserer Technologie geht es nicht um Zutaten. Pures Astaxanthin oder pures Epicatechin im Kakao hätten keine ähnliche Wirkung", erklärte er mir. „Um etwas zu bewirken, müssen die beiden Inhaltsstoffe in einer gewissen Nahrungmatrix konsumiert werden. Dazu bräuchte es jedoch eine beträchtliche Menge Essen—nicht einmal annähernd in der Dimension eines Snacks."

Im Grunde geht es um die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen in einem bestimmten Schokoriegel. „Dunkle Schokolade ist eine ziemlich aggressive Matrix voller Enzyme, die nicht nur Omegas oxidieren kann—95 Prozent werden in der dunklen Schokolade innerhalb eines Monats zerstört—, sondern auch viele bioaktive Substanzen", sagt Petyaev. „Das liegt an der Herkunft der Schokolade, die wie auch Blauschimmelkäse ein Produkt bakterieller und pilzlicher Fermentation ist. Fast nichts ‚Fremdes' kann in seiner Umgebung überleben."

Das klingt für den Laien ziemlich fesselnd, aber was ist mit meiner Haut? Als ich bei Petyaev genauer nachfragte, was die Konsumenten nach drei Wochen langem, täglichen Konsum von Esthechoc erwarten dürfen, antwortete er: „Sie können sich Veränderungen in ihrer Oxidationsrate und ihren Entzündungsmarkern erwarten."

Das heißt übersetzt: Nein, Rentner werden nicht mit dem Gesicht ihres Teenage-Ichs aufwachen. Tut mir leid, Oma.

Die Zielgruppe der hautglättenden Schokolade, erklärte Petyaev, sind „wohlhabende Frauen und Männer, die auf ihre Gesundheit und ihr Aussehen achten". Selbstverständlich gibt es in der medizinischen Gemeinschaft auch Kritiker von Esthechoc. Die britische Tageszeitung The Telegraph zitierte Naveed Sattar, einen Professor der metabolischen Medizin an der Glasgow University, der sagte: „Diese Angaben im Hinblick auf dieses Lebensmittel müssen mit Untersuchungen bestätigt werden, um irgendwelche Glaubwürdigkeit zu haben. Solche Untersuchungen fehlen hier und folglich haben alle gesundheitlichen Angaben keine Grundlage."

Möglich. Für 35 Euro pro Box sollte Esthechoc zumindest geschmacklich überzeugen, wenn schon die Haut nicht zum Babypopo wird. „Wir verwenden die beste Gourmet-Schokolade als Basis für unser Produkt", sagt Petyaev. „Lecker!"