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MUNCHIES in der wundersamen Welt der lokalen McDonald's-Spezialitäten

Fleischkroketten, Hummus und zu wenig braune Sauce. Das passiert, wenn Mickey Ds lokale Küche anbietet. Viel los im Europa dieser Tage.

Munchies Staff

Foto: imago | Rene Traut

Wir haben unsere MUNCHIES- und VICE-Kollegen in Europa gebeten, einmal in ihrem Land zu McDonald's zu gehen und zu berichten, was sie dort Besonderes erlebt und gegessen haben. Das sind ihre Storys:

Großbritannien: "Bacon Roll"

"Bacon Roll" | Foto: Phoebe Hurst

Etwas vorab, bevor ihr das lest: Ich bin Vegetarierin und bin nicht mehr zum goldenen M gegangen, seit im Happy-Meal Tamagotchi-Anhänger waren – außer wenn ich besoffenen Freunden dabei zusehe, wie sie sich in den frühesten Morgenstunden abartig viele McNuggets reinstopfen, oder als mich mein Grasdealer einmal bat, dass wir uns bei McDonald's treffen.

Als ich also die Aufgabe bekam, ein Produkt auf dem McDonald's-Menü zu finden, das es nur in Großbritannien gibt, musste ich erst mal ein bisschen recherchieren. Sind britische McDonald's nicht genauso wie amerikanische – außer dass die Portionen etwas kleiner sind und die Leute öfter Sex in der Behindertentoilette haben?

Nun, wie die Fast-Food-Annalen bei Reddit mich aufklären, ist dem nicht so. Es gibt ein paar regionale Varianten auf der britischen McDonald's-Karte – "Bacon Roll", ein Baguettebrötchen mit gebratenem Speck, ist wohl die auffallendste. Ein "Bacon Roll" kann man bis 10.30 Uhr zum Frühstück bestellen. Nicht ganz so aufregend wie McNoodles oder so nobel und europäisch wie die Möglichkeit, sich Wein zum Big Mac bestellen zu können. Aber wer wird schon was gegen ein Brötchen mit gebratenem Speck sagen? (Kein Kommentar.)

Sind britische McDonald's nicht genauso wie amerikanische – außer dass die Portionen etwas kleiner sind und die Leute öfter Sex in der Behindertentoilette haben?

Ich komme also bei McDonald's an, in der Hoffnung, auf einen Teenager hinter der Kasse zu treffen, der mich nur widerwillig fragt, ob ich Pommes zu meiner Bestellung möchte. Doch mich empfängt eine Reihe riesiger Touchscreens und der Aufschrift "Hier bestellen". Es ist wirklich schon eine Weile her.

Gut, ich folge dem Befehl und fühle mich, als stünde ich vor einem riesigen iPhone, als ich die Kategorie "Frühstückswraps und Brötchen" auf dem Bildschirm wähle. In dieser Kategorie gibt es neben einem Wrap mit Bacon und Ei und dem "McMuffin Egg" auch mein gesuchtes Brötchen. Ein "Bacon Roll" kostet 3,69 Pfund und hat 319 Kalorien.

Auf dem Bildschirm erscheint die Option, Ketchup oder Brown Sauce dazuzubestellen. Da ich heute Großbritannien vertrete, nehme ich natürlich Brown Sauce, diese irgendwie nach Essig schmeckende Sauce, für die sich niemand außerhalb Großbritanniens wirklich zu interessieren scheint. Der McDonald's-Computer will mir noch ein Produkt zu meinem Menü aufdrücken und bieten mir ein Frühstücksgetränk und einen Snack an. Ich wähle auf dem Bildschirm einen Americano schwarz, aber die Auswahl an Snacks überfordert mich. Hash Browns, ja, ergibt irgendwie Sinn. Ein Heidelbeer-Muffin zum Frühstück könnte auch ganz nett sein, aber ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass sich jemand nach einem fettigen Brötchen mit Speck noch eine Tüte Melonenstückchen reinpfeift. Ich verzichte auf die Snacks und bezahle.

Ich warte, dass meine Bestellung an der Theke ankommt; vor mir steht eine Mutter, die gerade ihre Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht hat. In der Hand hält sie einen Kinderroller und einen riesigen Schlüsselbund. Sie holt sich einen Kaffee, während zwei Teenager sich McMuffins mit Ei zum Mitnehmen holen. Ein Typ mit Nackentattoo scheint etwas verwirrt, als er zu seinem Wrap mit Würstchen noch einen Beeren-Smoothie bekommt. Die Frau hinter der Theke erklärt ihm, dass er sich das so auf dem Touchscreen bestellt hat.

"Ja, aber ich dachte es gibt noch ein Sandwich dazu oder so!", meint er.

Erst im Büro zurück packe ich meine Bestellung aus. Das Brötchen ist leicht zerquetscht und nicht komplett getoastet. Beim Öffnen erblicke ich zwei großzügige Streifen Bacon mit einem Batzen Sauce. Keine Butter. Der Kaffee ist … eigentlich gar nicht mal so schlecht. Obwohl mir gerade klar wird, dass ich für ein echt britisches Frühstück Tee hätte bestellen sollen.

Mit den Geräuschen sterbender Tiere von Morrissey in meinem Kopf weiß ich, dass dieses Bacon-Brötchen meine zehn Jahre Vegetarismus nicht durchbrechen kann – egal wie sehr es auch auf den Geschmack meiner Landsleute abgestimmt ist. Ich gebe mein "Bacon Roll" an den Redakteur von VICE Sports, Jim Weeks. Er beißt ab und kaut eine Minute lang gedankenversunken.

"Da muss mehr Brown Sauce drauf."

– Phoebe Hurst, MUNCHIES Großbritannien

Frankreich: "Croque McDo"

Ein "Croque McDo" | Foto: Léo Bourdin

Was ist wohl das Französischste, das man sich bei McDonald's in Frankreich bestellen kann? Wer Pulp Fiction kennt, weiß vielleicht, dass der Big Mac hier "Le Big Mac" heißt und anders als in den USA heißt der Quaterpounder hier Royal – das letzte königliche Überbleibsel, nachdem wir unseren Monarchen vor über 200 Jahren die Köpfe abgehackt haben.

Doch es gibt etwas, das auf der Karte eines französischen McDonald's vielleicht nicht sofort auffällt. Nicht etwa, weil es Teil eines geheimen französischen Menüs ist – natürlich inklusive einem Glas Bordeaux und einer Baskenmütze oder einem gestreiften Shirt. Sondern vielmehr, weil es sich für jemanden, der nicht in Frankreich aufgewachsen ist, erst mal seltsam anhört.

Ich will euch nicht länger sinnlos auf die Folter spannen: Die Rede ist vom berüchtigten "Croque McDo", dem wohl französischsten McDonald's-Produkt, das man sich bestellen kann. Ein "Croque McDo" besteht aus einer Scheibe Schinken und zwei klebrigen Scheiben Emmentaler zwischen zwei getoasteten Brötchenhälften. Das erste Mal kam es November 2001 auf die McDonald's-Karte – das war mitten in der BSE-Krise in Europa. Für einen Sprecher von McDonald's war das Croque McDo damals ein Sandwich ohne Rindfleisch, das französische Mütter wieder beruhigen sollte.

Die Sache ist die: Das Sandwich ist eine ziemlich wagemutige Version des heißgeliebten Croque Monsieur – deshalb wagemutig, weil man verrückt sein muss, einen Croque Monsieur ohne Béchamelsauce zu machen. Franzosen lieben Béchamelsauce und möchten sie am liebsten mit allem essen. Also McDonald's: Wo bleibt die Béchamelsauce?

– Léo Bourdin, MUNCHIES Frankreich

Dänemark: " Kylling & Hummus"

Foto: Lars Hinnerskov Eriksen

Ich bin in einer kleinen dänischen Stadt zur Schule gegangen und damals gab es eine bombensichere Möglichkeit, in die Clubs zu kommen: wenn man als Student bei McDonald's arbeitete . Die Türsteher im Hollywood Hard Rock bekamen einen Rabattgutschein für Big Macs und wir Fast-Food-Angestellte konnten durch, ohne dass Fragen gestellt wurden. Arbeiten bei McDonald's bedeutete damals für mich ausschweifendes Saufen nach der Arbeit und gutes Geld.

Das ist mittlerweile fast 20 Jahre her, lange bevor die Neue Nordische Küche neu war und amerikanischer Industriekäse und Pattys vom Kontaktgrill gastronomisch gesehen cool waren. Wie sieht die Karte bei McDonald's also heute aus? Bekommt man Burger aus fermentiertem Getreide und Smoothies aus dänischem Löffelkraut? Ich fahre zu einer Filiale an der Autobahn am Stadtrand von Skanderborg und gehe an den Touchscreens vorbei, wo die meisten Gäste bestellen. An der Theke begrüßt mich Mariam mit einem breiten Lächeln. Sie arbeitet seit 13 Jahren bei McDonald's und strahlt eine Ruhe und Professionalität wie ein Oberkellner in einem Drei-Sterne-Restaurant aus. Als ich nach dänischen Spezialitäten frage, schlägt sie begeistert die Hände zusammen.

Kein Sanddorn weit und breit; nur süßes, exotisches, cremiges Zeug.

"Ich bin so froh, dass Sie danach fragen", antwortet sie und zeigt auf zwei Burger auf der Snack-Karte, die ungefähr so dänisch sind wie Donuts. Ein "Super Cheese" mit einer doppelten Ladung Emmentaler und ein "Tasty Cheesy", eine rauchige Mischung aus einem Cheeseburger und einem McFeast. Die Salatauswahl scheint eher den regionalen Nerv zu treffen. Obwohl auf dem Etikett steht, dass mein Salat mit Hähnchen [Kylling], Wildreis, Hummus und Rotkohl in Schweden hergestellt wurde, sind die Zutaten offensichtlich speziell für den dänischen Markt ausgewählt wurden. Roh, gesund und leider lecker (Welcher Mensch, der noch halbwegs bei Verstand ist, geht für Rotkohl-Salat zu McDonald's?). Ich spüle das Ganze mit einem Københavnerstang-Shake runter, eine Hommage an einen dänischen Eisklassiker mit Vanille- und Ananaseis. Kein Sanddorn zu sehen weit und breit; nur süßes, exotisches, cremiges Zeug. Zurück im Büro gebe ich noch einen ordentlichen Schluck Rum dazu und das Biest erwacht. Ein sommerlicher Cocktail, den es auch in einem Club geben könnte. Wenn McDonald's doch nur einen eröffnen würde.

– Lars Hinnerskov Eriksen, MUNCHIES Dänemark

Niederlande: "McKroket"

McKroket | Foto: Rebecca Camphens.

Der McKroket ist ein paniertes, frittiertes Stück Rindfleischragout in einem typischen McDonald's-Brötchen, garniert mit ein bisschen Dijon-Senf, in dem sogar echte Senfkörner drin sind (Yay!), der aber auch mit Mayonnaise vermischt wurde (Buuuuh!).

Etwas Ähnliches bekommt man in eigentlich jedem Imbiss in den Niederlanden – da heißt es dann broodje kroket. Typischerweise isst man diesen Snack mit Senf, aber manche (Banausen!) mögen ihn lieber mit Mayo.

Die Niederlande waren das erste Land, in das McDonald's aus den USA expandierte, das war damals in den 70ern. Zuerst scheiterten sie, hauptsächlich weil sie ihre Restaurants in Vororten eröffneten – keine sonderlich erfolgreiche Strategie in den Niederlanden. Aber sie führten den McKroket ein und daneben auch die heilige Dreifaltigkeit eines niederländischen Kindergeburtstags: Hähnchen, Apfelmus und Pommes. (Und Erbsensuppe – aber das serviert niemand zu einem Kindergeburtstag in den Niederlanden).

Jedenfalls: Nachdem der erste Versuch von McDonald's, in den Niederlanden Fuß zu fassen, anfangs scheiterte, kamen sie mit aller Macht zurück und starteten in den 80er und 90er-Jahren richtig durch. Dann führten sie den McKroket wieder ein und weil er sich so gut verkaufte, behielten sie ihn auf der Karte.

Eine gute Fleischkrokette ist ein heißes Wirrwarr aus frittiertem klebrigem Zeug.

Ein echtes broodje kroket von einem guten Laden ist natürlich tausendmal besser als ein McKroket . Die Frikadelle im McDonald's-Burger ist ein fades Brikett aus durchschnittlichem Rinderragout. Das Ragout ist ziemlich simpel, ziemlich cremig und überhaupt nicht stückig. Eine gute Fleischkrokette ist ein heißes Wirrwarr aus frittiertem klebrigem Zeug. Wenn du den McKroket probieren solltest, mach es ein einziges Mal, finde dich damit ab und dann kauf dir ein broodje kroket bei Van Dobben oder so.

– Jan van Tienen, VICE Niederlande

Deutschland: Der Nürnburger

Foto: imago | APress

Ist es wohl möglich, Fast Food zu kreieren, das jedes einzelne Klischee über Deutschland und die Deutschen enthält? Als 2010 der "Nürnburger" bei McDonald's eingeführt wurde – drei Würstchen in einem Brötchen mit ein bisschen Senf –, war die Frage beantwortet: Ja. Danke für nichts, McDonald's. Bei drei Würstchen im Brötchen hört die Geschichte nicht auf: Für den Nürnburger hat sich McDonald's mit Uli Hoeneß zusammengetan. Hoeneß gewann als Spieler bei Bayern München alles, was man so gewinnen konnte. Nachdem er seine Spielerkarriere beendete, wurde er Manager von Bayern München, später Präsident des Vereins und gewann wieder alles, was man gewinnen konnte. War nicht genug, in der Zwischenzeit hat er 1985 außerdem eine Wurstfabrik in Nürnberg eröffnet – was ein bisschen in der Familie liegt: Sein Vater war Metzger und das fränkische Nürnberg ist schließlich für nichts weiter weltberühmt als seine Würstchen.

Es ist jetzt schon eine Zeit her, dass McDonald's den Burger auf der Karte hatte, und keiner kann sich so richtig erinnern, wie er schmeckte. Dennoch: Der Nürnburger bleibt das wohl deutscheste Produkt, das es jemals auf die McDonald's-Karte geschafft hat und seitdem Uli Hoeneß aus dem Gefängnis ist (Steuerhinterziehung, ihr wisst), könnte der Burger vielleicht wiederkommen. Wurst, Fußball, Bayern und/oder Franken, ein bisschen Kriminalität. Kein Sex. Geht es deutscher?

– Philipp Sommer, MUNCHIES Deutschland