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Mit Schweineborsten fängt man die besten Forellen

Tom Adams, Gründer und Koch des Pitt Cue Co. in London, verrät uns bei einem Angeltrip in der englischen Grafschaft Hampshire, was das Angeln für ihn so besonders macht.

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19 Februar 2016, 8:00am

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„So ein Fluss hat etwas Magisches an sich", meint Tom Adams, während er inmitten des River Test in der südenglischen Grafschaft Hampshire watet.

Tom Adams ist Gründer und Koch im Pitt Cue Co. Wer in London einfaches, aber verdammt gut gegrilltes Schwein essen will, geht genau da hin. Weil sein Job von Hektik geprägt ist, geht er zum Entspannen angeln.

Tom Adams of Pitt Cue Co. barbecue restaurant in London.

Ein Meister des Fliegenfischens: Tom Adams vom Londoner Restaurant Pitt Cue Co. Alle Fotos von der Autorin

„Mein Onkel hat einen Bauernhof in Winchester, da habe ich mit neun Jahren angeln gelernt. Ich kann mich noch genau erinnern, wie er immer seine Kunstfliegen zum Fischen selbst gebunden hat und dann mit Freunden zu seinem privaten Flussgrundstück am River Dever in Barton Stacey gefahren ist", erzählt Adams. „Ich angle meistens in Cornwall, in der Nähe von Charlies [einem Freund von Tom, der auch das Pitt Cue Co. beliefert] Bauernhof in Launceston. Mitten durch die Felder fließt hier der idyllische Fluss Ottery."

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Tom Adams ist in Cornwall aufgewachsen und wenn er jetzt gerade nicht in London weilt, verbringt er seine Zeit entweder auf dem südwestlichen Zipfel der Insel, dem West Country, oder in Hampshire, das auch als der Ursprung des Fliegenfischens bekannt. Aus der ganzen Welt kommen Angler zum River Test wegen seines Kalkbodens und seines kristallklaren Wassers. Überall an den makellosen Ufern sieht man Angler sitzen, die entweder wilde Arten oder Edelfische fischen, mit denen der Fluss besetzt wurde.

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Fly-fishing-with-Tom-Adams-from-Pitt-Cue-Co-by-Emli-Bendixen_010615_0011 Von Hand gebundene Kunstfliegen zum Fliegenfischen

Für das Fliegenfischen muss man bestimmte Wurftechniken beherrschen. Adams benutzt handgebundene Kunstfliegen—normalerweise aus Hasenfell oder anderen Naturmaterialien—, die vom Land aufs Wasser geworfen werden, so als würden sie richtig fliegen. Die Kunstfliegen müssen gewachst werden und gut trocken sein, damit sie auch richtig auf dem Wasser aufliegen. Adams bevorzugt Fliegen aus Schweineborsten, wie das traditionell auch in Österreich gemacht wird.

Während wir uns mit unseren Kunstfliegen immer weiter flussaufwärts bewegen, kommen uns immer mehr normale Fliegen entgegen, die über dem Fluss hin und her schwirren. Ab und zu landet eine unglücklich im Wasser und versucht verzweifelt, sich aus den Fängen des kühlen Nass zu befreien. Anfangs fangen wir nur Äschen—Süßwasserfische aus der Familie Salmonidae—, aber irgendwann fängt Adams eine wilde Forelle, die sich sanft zwischen den etwas größeren Bachforellen durchs Wasser schlängelt.

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„Ich liebe es einfach, draußen zu sein, am liebsten in der Nähe von kleinen Flüssen irgendwo im Nirgendwo, wo es keinen Empfang gibt", erzählt er mir. „Fliegenfischen ist herausfordernd, das gefällt mir. Durch mehr Erfahrung kann man unglaublich viel lernen. Und ich liebe einfach die Tatsache, dass man quasi das natürliche Flussschauspiel imitiert."

VIDEO: Chef's Night Out: Pitt Cue Co.

Den heutigen Fang lassen wir wieder in den Fluss. Beim Fliegenfischen geht es mehr um die Herausforderung als um das Töten oder Kochen. Außerdem sind die wilden Forellen aus dem River Test ziemlich klein und für Äschen ist gerade Schonzeit.

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Bachforellen sind die einzigen Fische, mit denen Adams kocht (dafür und für Sportangler wurden sich auch in den Fluss gesetzt). Nur wer eine gepfefferte Tagesgebühr bezahlt, kann im Fluss fischen und auch ein paar Stück seines Fangs mit nach Hause nehmen.

Adams behandelt den Fluss und seine Bewohner mit großem Respekt. Mit Begeisterung spricht er darüber, wie er Lachs oder Bachforellen angelt, und welchen Weg die Fische jedes Jahr bis zu ihren Laichgründen zurücklegen müssen.

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„Das Meer erfüllt mich definitiv mit Ehrfurcht—so stark und mysteriös—, aber auch Flüsse sind auf ihre eigene Art magisch", meint Tom Adams. „In und um einen Fluss gibt es so viel Leben. Schon allein deshalb macht es so viel Spaß, einen ganzen Tag lang im Fluss zu angeln."