Um eine der letzten Pizzen von McDonald's zu finden, fahren diese Dudes 1.500 Kilometer weit

Ja, McDonald's macht Pizza. Seit 1989.

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Apr. 4 2017, 7:55am

Foto: Jason Meredith | Flickr | CC BY 2.0

1989 war schon eine komische Zeit. Jack Nicholson machte als Joker Gotham City unsicher, die New Kids on the Block hielten es für cool, Latzhosen ohne Shirt drunter zu tragen und bei einer Handvoll McDonald's-Restaurants in den USA gab es Pizza. Komisch oder? Bis Mitte der 90er konnte man die Pizza in gut 40 Prozent aller US-Filialen bestellen, aber so richtig durchgesetzt hat sie sich nie. Irgendwann verschwand sie still und heimlich von der Karte – genauso wie der McSpaghetti und der McLean Deluxe landete die McDonald's Pizza in der McMülltonne, über deren Inhalt alle schweigen.

Drei Kanadiern sei Dank wissen wir jedoch jetzt, dass es in zwei McDonald's-Filialen in den Staaten immer noch Pizza gibt, denn sie waren so versessen darauf, eine davon zu essen, dass sie sich auf einen über 1.500 km langen Roadtrip gemacht haben. Letzten Monat fuhren Mitchell Boughner, Nathan Dallaire und Dan Sutherland vom kanadischen Ontario bis nach Spencer in West Virginia, um eine der raren Pizzen bei McDonald's zu probieren. Die Fahrt bis in die Staaten dauerte ganze acht Stunden.

»Vor ein paar Monaten googelte ich nach ›McDonald's Pizza‹ und da entdeckte ich einen Artikel von 2015, in dem es hieß, dass in West Virginia wohl immer noch die McDonald's-Pizza verkauft wird«, meint Nathan in ihrem YouTube-Video. »Also fahren wir bis nach West Virginia und wieder zurück – mal sehen, was passiert.«

Und es stimmt: Die einzigen Filialen, in denen es noch Pizza gibt, sind die in Spencer und eine weitere in Pomeroy in Ohio. Wie es bei Mental Floss heißt, gehören beide Filialen demselben Franchisenehmer, Greg Mills, der von der Unternehmensführung wohl das OK bekommen haben muss, die Pizza weiter am Leben zu halten. Wir haben bei McDonald's nachgefragt, bis jetzt aber noch keine Antwort bekommen.

Auch wenn Greg Mills weiter an der Idee festhält, die Pizza wurde aus diversen Gründen kein Erfolg. Da wäre zum einen die Tatsache, dass Kunden nicht unbedingt zu McDonald's gingen, um eine gute Pizza zu essen oder das ziemlich hohe Preisniveau und die vergleichsweise lange Zubereitungszeit.

»Auch wenn die Pizza in Kanada sehr beliebt war, dauerte die Zubereitung circa 11 Minuten – das war viel zu lang für uns«, heißt es 2012 auf der Website von McDonald's Kanada. »In den Küchen unserer Filialen herrscht viel Betrieb, die Pizza hat unsere Abläufe verlangsamt. Da die Geschwindigkeit unseres Services unsere Top-Priorität ist und etwas, das auch unsere Kunden erwarten, hielten wir es für das Beste, sie von der Karte zu nehmen. Die Pizza ist von nun an ein leckeres Stück unserer Vergangenheit.«

Oder ein leckeres Stück Gegenwart, wenn man bis ins tiefste West Virginia fährt, wie es Mitchell, Nathan und Dan getan haben. Die Fahrt haben sie in einem Video in ihrem YouTube-Kanal Completely Irrelephant festgehalten. Wahrscheinlich die einzige Pizzabestellung, für die sie ihren Pass brauchten. Wir haben mit dem Fahrer Mitchell Boughner gesprochen, um mehr über ihren Roadtrip zu erfahren, was sie dazu inspiriert hat und wie viel das Ganze gekostet hat.

MUNCHIES: OK, das Wichtigste zuerst: Warum eine McDonald's-Pizza?
Mitchell Boughner: Also, Dan, der Typ auf der Rückbank ist bei der Marine und wohnt in Nova Scotia. Nathan auf dem Beifahrersitz lebt zwei Stunden von Toronto entfernt und eines Tages dachten wir irgendwie alle an die McDonald's-Pizza. Nathan hat im Netz nachgeschaut und es gab also nur zwei Orte mit McDonald's-Pizza, Spencer in West Virginia und Pomeroy [in Ohio]. Also meinten wir aus Spaß, dass wir da hinfahren würden, wenn wir alle mal wieder zu Hause sind.

Wusstet ihr, ob es die Pizza auch wirklich gibt?
Nathan meinte, er wollte vorher prüfen, ob sie auch wirklich Pizza hätten und ich meinte nur: »Nee, es wäre absolut witzig, wenn wir einfach da hinfahren würden und wir dann feststellen, dass die die gar nicht anbieten.« Das wäre auch genial gewesen.

Wann habt ihr das letzte Mal eine McDonald's-Pizza gegessen?
Das muss in den 90ern gewesen sein, als wir noch klein waren. Ich bin 25, Dan auch und Nathan ist 24. Das ist definitiv lange her.

Verbindet ihr damit irgendwelche tollen Erinnerungen?
Nein, wir wussten nur noch, dass die Pizza nichts Besonderes und eher mittelmäßig war. Uns ging es mehr um die Geschichte hinter unserem Roadtrip.

Eine McDonald's-Pizza aus Pomeroy, Ohio. Foto von dankeck via Flickr

Es gibt eine Szene in eurem Video, wie ihr gerade über die US-Grenze wollt und im Untertitel steht, dass ihr nervös lacht. Was meint ihr, hätte es auch passieren können, dass sie euch gar nicht über die Grenze lassen?
Wir dachten uns nur, wir werden auf jeden Fall rausgewunken und durchsucht. Sobald wir denen sagen würden, dass wir zu McDonald's wollten, würden sie nur meinen »OK Jungs, fahrt kurz weiter und da hinten mal ran.« Später dachten wir noch mal drüber nach und wer an der Grenzkontrolle lügen würde, der würde bestimmt nicht sagen, dass er wegen einer McDonald's-Pizza in die Staaten fährt. Es war einfach so lächerlich, dass es stimmen musste.

Ihr saßt acht Stunden im Auto – habt ihr euch an irgendeinem Punkt gedacht, dass das eine echt blöde Idee war?
Ach, eigentlich die ganze Zeit. Schon vorher meinte ich, dass das eine dumme Idee ist. Aber darum ging es schließlich.

Was hat euch der Trip gekostet?
Der kanadische Dollar steht gerade nicht so gut, aber wir brauchten drei Tankfüllungen und eine Nacht in einem Bed & Breakfast in Spencer, das haben wir durch drei geteilt, und die Kosten für das Essen. Also gut 100 Kanadische Dollar für jeden [umgerechnet 70 Euro], das war gar nicht mal so schlimm.

Was macht ihr als Nächstes?
Wir haben noch einen Trip geplant. Dan kann dieses Mal leider nicht mitmachen, weil er beim Militär ist, aber wir planen was – das bleibt aber erst mal eine Überraschung. Wir hätten nie damit gerechnet, dass unser Video so abgeht, aber wir werden weiter über andere blöde Dinge nachdenken, für die wir irrsinnig weit fahren.

Vielen Dank für das Gespräch.