Perfekte Fotos deines Essens sind so langweilig wie Selfies

Seit mittlerweile sieben Jahren mache ich Fotos von Essensresten, von Kompost, vom Saustall nach einer Party und manchmal auch von Kuhfladen. Du fragst dich warum?

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Juli 16 2015, 8:01am

Seit mittlerweile sieben Jahren mache ich Fotos von Essensresten: von Kompost, vom Saustall nach einer Party und manchmal auch von Kuhfladen.

Eigentlich hat alles aus Spaß begonnen. Ich fand den leer gegessenen Teller mit übriggebliebener Kürbiskernöl-Marinade einfach wunderschön. Fast wie ein Jackson Pollock. So mühelos entstanden und nicht designt. Echter Food Porn.

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Viele Food-Blogs sind vor allem eins: hübsch. Sie zeigen Essen, so schön wie nur irgendwie möglich und vermitteln Romantik und Unbeschwertheit. Es ist auch nichts verkehrt an schönen Food-Blogs, aber rollst du nicht auch manchmal die Augen, wenn jemand wieder ein Foto seiner perfekten Muffins postet? Ist es nicht manchmal einfach nur schlecht getarnte Angeberei des Fotografen?

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Will er uns vormachen, dass sein Leben perfekt ist, so wie seine #nofilter Bilder? Ist diese gephotoshoppte, aalglatte Zurschaustellung von Essen nicht einfach langweilig? So wie ein Selfie? Essen sollte nicht so ernst sein. Mein Blog zeigt, was übrig bleibt—den Saustall in deiner Küche oder nach einer Party. Als hätte eine Bombe eingeschlagen!

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Im Laufe der Jahre fiel mir auf, dass Gemüsereste, der Strunk eines Salates zum Beispiel, die Symmetrie der Natur widerspiegelt. ALLES beginnt mit einem Samen, er braucht Wärme und Wasser und fängt an zu wachsen. Aus der Blüte wird eine Frucht, die Frucht wird gegessen. Der Rest landet im Kompost und daraus wird fruchtbare Erde, woraus wieder etwas wächst.

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Das klingt so esoterisch, dabei ist es einfach der mühelose Kreislauf der Natur. Und das Beste daran: Die Natur hinterlässt nur biologisch abbaubaren Scheiß.

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Das ist wohl der ernste Aspekt hinter den Fotos. Wir produzieren zu viel, schmeißen mehr als 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel jährlich weg. Verpacken alles in Plastik und haben den verseuchten Salat. Wir verschmutzen die Erde mit unseren innovativen Erfindungen und brauchen Energie, um alles irgendwie im Zaum zu halten.

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Aus diesem Grund lasst uns mal nicht nur das Schöne unter die Lupe nehmen, sondern auch den Rest.

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