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Foto by Eva Vlonk

Menschen klauen wirklich absurde Dinge aus Bars

Iris Bouwmeester

Na, was habt ihr schon alles mitgehen lassen?

Foto by Eva Vlonk

Vor ein paar Wochen hat irgendjemand einen Zeh aus einer Hotelbar geklaut – und damit wieder einmal bewiesen, dass es wirklich keine Grenzen gibt bei potenziellem Diebesgut in Restaurants, Cafés oder Kneipen. Ein Anflug von Kleptomanie ist eine bekannte Nebenwirkung des Alkoholkonsums, weshalb auch du wahrscheinlich mindestens einmal verkatert aufgewacht bist und abstruse Gegenstände in deiner Tasche, neben deinem Bett oder vielleicht sogar auf deinem Kopf gefunden hast, die vorher definitiv nicht zu deinem Inventar gehörten.

Meistens überkommt einen das Verlangen, Dinge zu klauen, nur an den seltenen (hoffentlich) Abenden mit Filmriss, doch manche gehen noch einen Schritt weiter und lassen daraus eine Gewohnheit werden. Sie klauen absichtlich. Wir haben ein paar fleißige Fünf-Finger-Rabattler zu ihrem Diebesgut befragt.

David* & Tim*

Foto: Rebecca Camphens

Tim: Unsere Einrichtung besteht zum größten Teil aus gestohlenen Dingen. Sie soll uns schließlich an denkwürdige Abende erinnern. Alles hat eine eigene Geschichte.


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David: Zum Beispiel dieser Fächer, den haben wir beim Chinesischen Neujahr im Studio/K [in Amsterdam] geklaut. Als niemand geguckt hat, haben wir ihn abgenommen und in einer Ecke versteckt. Wenn man ihn ganz öffnet, hat er die Spannweite eines Kondors, aber zusammengefaltet sieht er einfach nur wie ein Pfahl aus. Ich habe ihn mir in die Hose gesteckt, der ging mir vom Knöchel bis zum Bauchnabel, und bin mit einem steifen Bein aus dem Club gehumpelt. Beim Rausgehen verabschiedete ich mich noch vom Türsteher, der nichts mitbekommen hat.

Foto: Rebecca Camphens

Tim: Es ist unglaublich, was man alles an Türstehern vorbeischmuggeln kann. Einmal haben wir alle unsere Jacken über einen Stuhl gehangen und sind dann damit rausgegangen. Das war echt aufregend. Kein Türsteher rechnet damit, dass jemand so große Sachen klaut, deshalb achten sie weniger drauf. Wir wurden noch nie erwischt.

Tim und David haben auch mal ein Schlagzeugbecken geklaut, dass sie jetzt als Blumentopf benutzen | Foto: Rebecca Camphens

David: Einmal haben wir auch eine ganze Schließfachtür aus dem Claire [in Amsterdam] geklaut. Die war nur mit einfachen Scharnieren befestigt, also konnte man sie einfach abnehmen. Ich hatte eine große Sporttasche mit, da passte die Tür prima rein.

Foto: Rebecca Camphens

Tim: Unsere Projekte werden auch immer größer, wie bei einem Wettbewerb. Aber natürlich bleibt die Frage, wo die Grenze ist. Das mit der Schließfachtür grenzt ja schon an Vandalismus. Manchmal fühlen wir uns schon ein bisschen schuldig.

David: Ab jetzt wollen wir funktionalere Sachen klauen. Teller, Besteck. Also Zeug, das wir auch wirklich benutzen können.

Tapulanga

Foto: Rebecca Camphens

Meine Mitbewohner und ich landeten mal betrunken bei einer Disco-Party in einer Bar. Beim Tanzen fiel mir die Discokugel auf. Ich wollte schon immer eine haben, das war die perfekte Gelegenheit, meinen Traum wahr werden zu lassen. Als wir zum Schluss mit unseren Jacken zum Ausgang gingen, habe ich meine Jacke schnell über die Discokugel geworfen, die direkt neben dem Ausgang stand – es ging alles superschnell.

Foto: Rebecca Camphens

Wir sind danach direkt zu McDonald's gegangen, aber es wäre ziemlich verdächtig gewesen, wenn ich da mit einer riesigen Discokugel hereinspaziert wäre. Zum Glück arbeiteten in der Nähe zwei Bauarbeiter nachts an den Straßenbahngleisen: Im Tausch gegen zwei Becher Cola von McDonald's haben sie auf meine Discokugel aufgepasst. Ich glaube, sie wussten, dass die Sache nicht ganz koscher war, aber es war ihnen auch irgendwie egal.

Laurens

Foto: Rebecca Camphens

Vor ein paar Jahren haben meine Mitbewohner und ich die Regel aufgestellt, dass an unserem Weihnachtsbaum nur gestohlener Weihnachtsschmuck hängen darf – so aus Spaß und damit jede Deko eine Geschichte hatte. Wir haben aus Kneipen und Restaurants geklaut, aber auch vom Weihnachtsbaum auf dem Markt. Am Schluss hatten wir dann eine schöne Sammlung zusammen.

Foto: Rebecca Camphens

Einmal wachte ich auch in meinem Zelt auf [der niederländischen Insel] Terschelling auf und neben mir lag ein Didgeridoo. Ich habe keinen Schimmer, wie ich da rangekommen bin. Ich erinnere mich nur daran, dass ich es an der Wand in einer Kneipe gesehen hatte, wo es viele gute und billige Drinks gab. Ich fühle mich echt schlecht deshalb, weil der Besitzer so nett war. Und die Insel ist ziemlich klein, sodass es wahrscheinlich jeder sofort wusste. Das Didgeridoo habe ich dann auf dem Zeltplatz gelassen.

Jolien und Maxine

Foto: Eva Vlonk

Maxine: Zusammen mit meinen Mitbewohnerinnen hatten wir einen Wettbewerb, wer das meiste Toilettenpapier klauen könnte. Das ging gut anderthalb Jahre so. Wir lebten alle zum ersten Mal allein und hatten nur wenig Geld – und wir wollten nicht viel für Klopapier ausgeben.

Jolien: Wir haben also aus Cafés, Restaurants, der Uni geklaut, um nur ein paar zu nennen. Wir wussten genau, in welchen Cafés sie große Rollen hatten. An Uni haben wir sogar Packungen mit mehreren Rollen gefunden – das war wie ein Sechser im Lotto.

Foto: Eva Vlonk

Maxine: Es war ein richtiger Wettstreit. Egal was wir gemacht haben, immer dachten wir daran, Klopapier zu klauen. Ich hatte oft extra Tüten dabei, sollte ich mal auf einen großen Fang stoßen.

Jolien: Jeden Monat haben wir eine Gewinnerin gekürt, das haben wir dann auf einer Punktetafel notiert.

Maxine: Wir hatten in einem großen Schrank extra Platz gemacht für das ganze Klopaier. Der war in Nullkommanichts voll, es hat also funktioniert. Wir mussten drei Jahre lang kein Klopapier kaufen.

Nele

Foto: Rebecca Camphens

Als ich noch studiert habe, hatte ich keine Kohle, und wenn ich betrunken war, wurde ich extrem übermütig. Ich habe oft – sehr oft – Sachen geklaut, die ich überhaupt nicht gebraucht habe. Aus dem Chicago Social Club habe ich zehn große Gläser, vier kleine und ein paar kristallene geklaut. Im Kulturpark Westergasfabriek [in Amsterdam] haben sie ziemlich teure Gin-Tonic-Gläser mit grünem Fuß, davon habe ich auch noch mal vier. Mein Ziel war es, an verschiedenen Abenden ein paar Gläser zu sammeln und mir ein schönes Set zusammenzustellen. Ich habe sie mir immer schnell in die Tasche gesteckt, dann bin ich auf Toilette gegangen und habe sie in Klopapier eingewickelt, damit sie nicht zerbrechen. Ich krieg auch immer noch ständig Komplimente für meine Gläsersammlung.

Foto door Rebecca Camphens.

Einmal hab ich auch einen Mülleimer aus einem Club geklaut. Der stand da so rum und ich dachte mir: "Ich brauch' auch so einen." Also habe ich ihn in meine Tasche gestopft und bin rausgegangen. Außerdem habe ich mal auf Klassenfahrt ein Bild geklaut, dazu noch diverse Salz- und Pfeffermühlen. Ich habe immer einen Jute-Beutel dabei, die sind großartig, da passt einfach alles rein. In meiner alten Wohnung hatte ich einen Weile lang auch einen gestohlenen Teppich. Den hatte mein Mitbewohner mal in einem Club unter einem Tisch hervorgezogen, zusammengerollt und ist damit abgehauen.

*Zur Wahrung der Anonymität wurden einige Namen geändert.


Dieser Artikel erschien ursprünglich bei MUNCHIES NL.