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In diesen Cafés werden (Chai) Latten extra grande

Weniger ist mehr, denken sich die Inhaber mancher US-Cafés und setzen auf Baristas im Bikini. Mit dem richtigen Trinkgeld kann aber auch der noch fallen.

Hilary Pollack

Hilary Pollack

Photo via Flickr user Scott Schrantz

Wenn dich mal wieder die Lust nach knappen Höschen und lecker Dekolleté überkommt und du gleichzeitig deinen nicht-fleischlichen (aber noch lange nicht fleischlosen) Hunger stillen und ein paar mittelmäßige Drinks schlürfen willst, könnte die Lösung Hooters lauten—vorausgesetzt natürlich, du wohnst in Frankfurt am Main, denn überall sonst in Deutschland musste die textilfeindliche Systemgastronomiekette aus den USA ihre Filialen wieder dicht machen. Oder aber du machst dich auf in den Stripclub deines Vertrauens, wo neben Susis auch knackig-braune Hühnerschenkel auf der Karte stehen.

Was machst du aber nun, wenn Hunger und Lüsternheit schon um neun Uhr früh an deiner Tür anklopfen, du also noch verkatert bist und erstmal einen ordentlichen Kaffee brauchst? Ganz einfach (aber nur, wenn du dich gerade in Fresno, der „Crystal-Meth-Hauptstadt der USA", rumtreibst): Du gehst ins fast schon harmlos klingende Java Girls Espresso und lässt dir deinen Cappuccino von einem Mädchen im Bikini (und mit besonders aussagekräftigem Körperschmuck) bringen. Aber auch an die Bedürfnisse von weiblichen Gästen wird seit Kurzem gedacht—und zwar in Form muskelbepackter Dudes mit nacktem Oberkörper, imposanten Halsketten und extratief hängenden Jeans. Das gibt dem Begriff „Brustmilch" eine ganz neue Bedeutung!

Java Girls und seine Schwesterniederlassungen—die nahe gelegenen Drive-Thru-„Cafés" Pink Pantherz und Bottom's Up—führen eine neue, lokale Bewegung von sogenannten „Bikini-Baristas" an. Das Konzept dahinter ist genau das, wonach es sich anhört: junge Dinger (überwiegend Frauen), die für reichlich (Chai) Latten sorgen. Außerdem verraten die Java Girls dir ihren Namen. Du merkst schon, hier bist du echt nicht bei Starbucks.

Die Eigentümer von Java Girls, Dawn Peters und Terry Ford, haben beschlossen, auch männliche Bedienstete einzustellen, nachdem, wie Ford im Interview mit The Fresno Bee erklärte, „mehrere Frauen ihren Wunsch geäußert hatten, auch mal knackige Männer sehen zu können." Sie haben sich aber dagegen entschieden, die Männer in kurzen Badeshorts rumrennen zu lassen, weil „die männliche Kundschaft daran Anstoß nehmen könnte." Diese armen, schützenswerten Männer. Genauso wie ihre weiblichen Kollegen knipsen die Herrschaften jeden Tag vor Dienstbeginn Fotos von sich und ihren (größtenteils fehlenden) Klamotten und lassen ihre Fans (?) wissen, bis wann man sie noch antreffen kann. Deswegen kann man(n) beim Anblick der Facebook-Seite leicht vergessen, dass es bei diesem Laden um Kaffee geht bzw. gehen soll.

Auch wenn man—eingedenk einschlägiger College-Filme—glauben könnte, dass ein solches Geschäftsmodell in Amerika bestimmt vielerorts Fuß fassen müsste, sieht die Realität etwas anders. Denn Bikini-Baristas machen aktuell nur in Fresno sowie in Washington, Idaho und Oregon ihrem Namen alle Ehre. Dafür gibt es in den zuletzt genannten Bundesstaaten gleich mehr als hundert solcher Kaffeestände. Diese werden in der Öffentlichkeit zunehmend kontrovers diskutiert, seitdem im September herauskam, dass in einigen dieser Läden die Damen nicht nur rassigen Kaffee angeboten haben. So haben manche Girls für bis zu 70.000 Euro im Monat (!) auch schon mal ihren Bikini fallen lassen.

Doch zurück nach Fresno. Hier gab es zwar noch keine Meldungen über Extradienste, doch auch so ist nicht jeder mit dem Überangebot an nackter Haut glücklich. So hat eine Einwohnerin versucht, gerichtlich gegen das Bottom's Up und seinen sexistischen Dresscode vorzugehen. Doch ohne komplette Nackedeis an der Kaffeemaschine gibt es keinen Verstoß gegen Gesundheitsbestimmungen. Und als Chef darf man in den USA mehr oder weniger selbst entscheiden, welche (bzw. wie viele) Klamotten die Angestellten zu tragen haben. Frei nach dem Motto: Hier bin ich notgeiler Mann, hier darf ich's sein.

Oberes Foto: Scott Schrantz | Flickr | CC BY 2.0