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Darum bekommst du Heißhunger, wenn du trinkst

Döner-Läden machen nachts ihr bestes Geschäft.

Phoebe Hurst

Phoebe Hurst

Foto via Flickr Ludhi85 via Flickr

Dieser Artikel erschien ursprünglich 2017 auf MUNCHIES UK.

Selten ist ein Drang so stark wie der nach viel, viel Essen nach einem feucht-fröhlichen Abend. Egal wie oft du dir sagst, dass du von der Bar direkt nach Hause gehst und dir vor dem Schlafengehen nur noch eine Paracetamol gefolgt von einem ganzen Krug Wasser einwirfst, du landest am Ende doch vor dem Kühlschrank und schaufelst dir Löffel um Löffel Lasagne rein, während du dich fragst, wo zum Henker du deinen Notfall-Schokoriegel noch mal versteckt hattest. Oder schlimmer noch, zumindest was den Hüftumfang betrifft, aber absolut perfekt, um deinen alkoholinduzierten Heißhunger zu befriedigen: Du gehst zum Dönerladen um die Ecke, bestellst dir einen XXL-Döner mit extra Sauce. Und wo du schon mal dabei bist natürlich noch ein paar Pommes mit Mayo dazu.

Eine neue Studie des Francis Crick Institute in London behauptet jetzt, dass dein exzessives Suff-Snacking durch einen neuronalen Mechanismus ausgelöst wird.

Siehst du? Nicht du bist schuld, dass du wie magisch von Kohlenhydraten angezogen wirst, wenn du betrunken bist, sondern dein Gehirn.

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Für ihre Untersuchung, deren Ergebnisse diese Woche in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurden, injizierten die Forscher Mäusen bei einem „alkoholischen Wochenend-Experiment" Alkohol, über drei Tage verteilt so viel wie in circa zwei Flaschen Wein bzw. sechs bis acht 0,5-Liter-Flaschen Bier. Eine zweite Gruppe bekam keinen Alkohol.

Wenig überraschend: Die beschwipsten Mäuse aßen mehr als ihre nüchternen Kollegen.

Bisher hat man übermäßiges Essen durch Alkoholkonsum, den sogenannten „Aperitifeffekt", dadurch erklärt, dass wir nach Alkoholkonsum unseren Bedarf an Nahrung nicht mehr richtig einschätzen können. Die Forscher vom Francis Crick Institute bringen allerdings einen biologischen Faktor ins Spiel.

Wie sie meinen, stimuliert Alkohol die sogenannten AgRP-Neuronen im Gehirn. Die regulieren den Appetit und sind sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen vorhanden. Werden diese Nervenzellen stimuliert, isst man übermäßig, „selbst wenn kein Energiebedarf besteht."

Die Autoren beschreiben die Abläufe so: „Bei erhöhtem Alkoholkonsum kommt es durch die Wirkung des Alkohols auf das Gehirn dazu, dass man auch mehr isst." Wie die Forscher meinen, wurden appetitfördernde AgRP-Neuronen bei einigen Mäusen blockiert und das große Fressen hörte auf.

Gary Wittert von der medizinischen Fakultät der Adelaide University, der allerdings nicht an der Studie beteiligt war, kommentierte das Phänomen bei ABC so: „Alkohol wirkt auf verschiedene Nervenzellen in einem Gehirnareal, das die Essensaufnahme steuert. Diese Nervenzellen produzieren Proteine, sogenannte ,Agouti-verwandte Proteine'. Dabei regulieren sie die Nahrungsaufnahme und der Alkohol beeinflusst diese Neuronen so, dass mehr gegessen wird."

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Die Untersuchung des Francis Crick Institutes ist natürlich interessant, weil sie die neurologische Beziehung zwischen Saufen und Essen untersucht. Andere Experten haben jedoch darauf hingewiesen, dass Forschung an Mäusen nur begrenzt auf den Menschen übertragbar ist. Scott Sternson vom Howard Hughes Medical Institute in New York sagte gegenüberScientific American, dass menschliches Verhalten im Vergleich zu Mäusen komplex sei, soziale Faktoren oder Umweltfaktoren könnten auch beeinflussen, wie viel wir nach dem Saufen essen.

Dein Verlangen nach einem Döner um drei Uhr morgens wird also noch eine Weile unerklärt bleiben.

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