Mexikanischer Pulque ist das Original unter den Energy Drinks

Forscher haben bei der Analyse alter Tongefäße Spuren von Pulque gefunden. Das Bier Mesoamerikas wurde nicht nur wegen seiner berauschenden Wirkung getrunken, sondern um zu überleben.

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22 September 2014, 9:00am

Wenn du von der spuckeartigen Konsistenz, dem irgendwie komischen Geschmack und der großen Ähnlichkeit zu gewissen Körperflüssigkeiten mal absehen kannst, ist Pulque nicht nur eine gute, altmodische Art, sich zu betrinken, sondern deckt auch deinen täglichen Nährstoffbedarf ab.

Die alten Völker in Mesoamerika wussten das. Eine kurze Autofahrt Richtung Nordosten vom heutigen Mexiko City entfernt, befindet sich mitten im Hochland die alte Stadt Teotihuacan. Sie wurde 150 v. Chr. gegründet und war die größte Stadt im vorspanischen Mesoamerika. Archäologen schätzen, dass die Stadt zu Blütezeiten wahrscheinlich zwischen 100 000 und 250 000 Menschen beheimatete.

Allerdings war die ausreichende Nahrungsversorgung nicht immer gegeben: Höhenlage, wenig Niederschlag und der Mangel an Grundwasser machten es schwierig das Land zu bewirtschaften. Besonders für ein Volk, das sich größtenteils von Mais ernährte. Eine Trockenperiode bedeutete unter Umständen eine Hungersnot.

Vintage photo of the maguey plant via Flickr userJorge Elias

Altes Foto von einer Agavenpflanze. Foto: Jorge Elias via Flickr.

Laut einer neuen Studie, veröffentlicht in den Proceedings of the National Academy of Sciences, wurde nun der früheste chemische Beweis für die Pulque-Herstellung in Teotihuacan entdeckt. Mit Hilfe modernster Methoden wurden Amphorentonscherben und unglasierte Töpfe analysiert. Man identifizierte Bakterien, die speziell im Pulque vorkommen. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die Mesoamerikaner mit diesem milchigen, sauren, alkoholhaltigen Getränk ihren Nährstoffbedarf in harten Zeiten decken konnten. Und weil Agave hartnäckiger als Mais ist, waren Trockenperioden und Frost kein Problem.

Pulque, der urzeitliche Cousin von Mezcal, wird aus Agave hergestellt und fällt in die gleiche Getränkekategorie wie Bier, Most oder Cidre. Ein Teil des Gehäuses wird aus der Agave geschnitten, um dort den dicken, süßen Pflanzensaft zu sammeln. Dieses aguamiel, also Honigwasser, wird in spezielle Gefäße gefüllt und vergoren. Die natürlich vorkommende Hefe und das Bakterium Zymomona mobilis verwandeln den Zucker in Alkohol. Schon nach nur vier Stunden kann das Agavenbier getrunken werden, viele der heutigen Hersteller lassen es aber bis zu zwei Wochen lang fermentieren. Pulque ist nicht lange haltbar und älterer Pulque kann schon mal ziemlich ranzig schmecken.

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Farbiger, nicht-milchiger Pulque. Foto: katiebordner via Flickr.

In einem Artikel aus dem Reading Eagle aus 1895 wird Pulque als „ein Feuerwasser, das das heiße Blut der Mexikaner zum Brodeln und zum Kochen bringt" bezeichnet und angemerkt, dass „es den Geruch von einem verwesenden Tier annimmt … und so widerlich ist, dass sich ein Fremder vor Ekel abwenden würde."

Wegen der dickflüssigen Konsistenz ist Pulque nahrhafter und füllender als normales Bier. Außerdem beinhaltete es viele Milchsäurebaktieren und andere Probiotika sowie Vitamin C, was die Aufnahme von notwendigen Mineralstoffen unterstützen kann. Noch wichtiger ist aber Phytase, das laut Forschungsergebnissen Mais binden und so die Bioverfügbarkeit von Eisen und Zink fördern kann. (Besonders wichtig, wenn die Ernährung hauptsächlich aus Bohnen und Tortillas besteht.) Auch heute noch trinken schwangere Frauen und stillende Mütter in Mexiko Pulque, aus der Überzeugung, dadurch die Milchproduktion anzuregen.

Außerhalb der Grenzen Mexikos verstand man die Beliebtheit dieses Gestränks nicht wirklich. In einem Artikel im Reading Eagle aus dem Jahr 1895 wird Pulque als „ein Feuerwasser, das das heiße Blut der Mexikaner zum Brodeln und zum Kochen bringt" bezeichnet und angemerkt, dass „es den Geruch eines verwesenden Tieres erinnert… und so widerlich ist, dass sich ein Fremder vor Ekel abwenden würde."

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte schließlich Bier Pulque in den Schatten und es bekam das Image eines minderwertigen Getränkes, einer Art selbstgebranntem Schnaps von Hinterwäldlern, der nur von der niedrigsten sozialen Klasse aus reiner Verzweiflung getrunken wird. In und um Mexiko City findet man noch eine Handvoll pulquerias und unter der mexikanischen Hipstercrowd erfährt Pulque sogar eine kleine Wiederauferstehung. Also ¡Salud!

Top Foto: Christian Córdova via Flickr