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Zum Führergeburtstag: 8,88 Euro fürs „Hitlerschnitzel“

Tommy Frenck ist ein umtriebiger Nazi und versucht von seinem Gasthof aus, eine neue Bewegung loszutreten.

Munchies Staff

Foto: imago | CHROMORANGE

Am Geburtstag gibt es im „Gasthaus Goldener Löwe" das Schnitzel für 8,88 Euro. Aber nur am Geburtstag des toten Führers am 20. April. Der gelernte Koch Tommy Frenck hat das Gasthaus im thüringischen Kloster Veßra 2014 für 80.000 Euro gekauft. Er hat vermutlich versucht, den Preis auf 88.000 Euro hochzuhandeln.

Screenshot: Facebook

Denn diesen Zahlenwitz mag er, er hat ihn bereits im letzten Jahr gemacht. Tommy Frenck ist eine prominente Figur in der rechten Szene. Er ist wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft und hat sich nun in dieser kleinen Gemeinde mit 330 Einwohnern eingenistet. Der Gasthof ist weniger ein Ort für gutes Essen (Fett mit Fleisch und Ketchup) als eine Operationsbasis. Viele Neonazis reisen von weit her an, um hier zu essen oder Rechtsrock-Konzerte zu sehen. 2015 gab es gleich zehn davon, Michael Regener war schon da. Der war der Kopf der Band Landser, bis sie verboten wurde, heute nennt er sich Lunikoff. Er saß drei Jahre und vier Monate im Gefängnis: wegen Volksverhetzung, Verbreitung rechtsextremer Propaganda und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Tommy Frenck mag diese Konzerte: Er organisiert ein Festival im nahegelegenen Hildburghausen, 2016 kamen 3.500 Menschen. Auch dieses Jahr gibt es Planungen dafür.

Das isst die Burger-Bewegung aus dem Gasthaus. Screenshot: Facebook

Er ist auch bei „Thügida" aktiv. Die Bewegung versucht, „das System" zu überwinden: „Aus anfänglichen Protesten gegen Flüchtlinge ist längst ein Agitieren gegen Regierende, Establishment und die Demokratie geworden", schreibt „Blick nach Rechts", die die rechte Szene eng verfolgen.

Geld macht Frenck mit Rechtsrock, mit seinem Gasthof und seinem Versandhandel. Er betreibt „Druck 18", die Seite ist derzeit nicht zu erreichen. „Serverumzug", sagt Freck. Dort verkauft er nicht nur Armbrüste, SEK-Ausrüstung wie Brustpanzer, Schilde und Stahlhelme, sondern auch Kulinarisches. Er vertreibt natürlich Met, nur echt aus einem Horn, und einen Wein. Slogan: „Der Leibstandarte liebster Tropfen".

Den wird es heute vielleicht auch geben im „Gasthaus Goldener Löwe, um 11 Uhr ging es los. Seinen Gästen rät er, für den „Geburtstag" am 20.04. zu reservieren, es wird voll werden im Gasthof.


Update, 03.05.2017, 11.32 Uhr: Tommy Frenck, vertreten durch seinen Rechtsanwalt Andreas Wölfel, legt Wert auf die Feststellung, dass er wegen seiner im Beitrag erwähnten Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung gegenwärtig nicht mehr als vorbestraft im juristischen („im bundeszentralregisterrechtlichen") Sinne gelte, da der entsprechende Eintrag zwischenzeitlich wieder aus dem Bundeszentralregister getilgt worden sei. Er beruft sich insofern auf den „Resozialisierungsgedanken" und auf „noch nicht abzuschätzen[de]" Nachteile, die er wegen der betreffenden Formulierung in unserem Beitrag „beruflich und in seinem sozialen Umfeld in nächster Zeit erleiden wird".