Nach Geschlecht und Ethnie: Diese App teilt eure Rechnung

Wenn man je nach Hautfarbe und Geschlecht für dieselbe Arbeit unterschiedlich bezahlt wird, warum sollte man dann auch gleich viel fürs Essen bezahlen? Equipay steht für mehr Fairness im Restaurant.

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25 Februar 2016, 11:00am

Foto von olaiskjaervoy via Flickr

Wer kennt das nicht: Du sitzt mit deinen Freunden beim Essen im Restaurant. Dein veganer Mitbewohner hat die ganze Zeit in einem kleinen Salat herumgestochert, während die Stimmungskanone deines Freundeskreises schon beim vierten Glas Wein ist.Dann gibt es noch die, die sich Vorspeisen im Wert von gut 25 Euro bestellen und am Ende einen Zwanziger in die Runde schmeißen, um sich so irgendwie davonzumachen, ohne auch nur einen Gedanken an das Trinkgeld zu verschwenden. Es ist die Hölle.

Wenn man die Rechnung einfach nach Anzahl der Personen aufteilen würde, stünden die „Herumstocherer" ziemlich dumm da, aber jeden einzelnen Posten einzeln aufzuteilen, würde ewig dauern und aufgrund nur rudimentär vorhandener Rechenkünste in einem Chaos enden. Außerdem gibt es in jedem Freundeskreis immer jemanden, der einfach ganz locker seine Visa-Gold-Karte zückt, während andere, die jobtechnisch nicht so gesegnet sind, mit vor Schmerzen verzogenem Gesicht ihr letztes Kleingeld zusammenkratzen.

Wie teilt man also die Rechnung fair auf?

Für amerikanische Restaurantbesucher gibt es vielleicht bald Abhilfe: Equipay.

Entwickelt wurde die App von Comedian Luna Malbroux aus San Francisco. Damit gibt es keine großen Diskussionen beim Bezahlen, denn Equipay berechnet auch unsichtbare Faktoren mit ein: ungerechte Bezahlung, die insbesondere Frauen und Nicht-Weiße betreffen. Obwohl sie dieselbe Arbeit machen, verdient eine schwarze Frau nur 64 Cent für jeden Dollar eines weißen Mannes. Warum sollte sie also dann beide 34 Dollar für das Essen beim Mexikaner bezahlen?

Für den diesjährigen Comedy Hack Day (CHD) in San Francisco, wo Comedians, Entwickler und Designer gemeinsam neue witzige Produkte entwickeln, hat sich Luna Malbroux eine App ausgedacht, die nicht nur für technikverliebte Brunch-Fans interessant ist, sondern die auch auf soziale Themen aufmerksam macht, nämlich die ungleiche Bezahlung trotz gleicher Arbeit. Mit der App legen die Comedians förmlich den Finger auf die Wunde und nicht nur auf den Touchscreen des Smartphones.

ARTIKEL: Essen und Rassismus in den USA—ein Gespräch mit Michael Twitty

Equipay hat den großen Preis beim CHD abgeräumt. Die App nutzt Daten des US-Arbeitsministeriums, um jedem Einzelnen basierend auf den durchschnittlichen Löhnen verschiedener ethnischer Gruppen und Geschlechter einen individuellen Rechnungsbetrag zu berechnen. Ihr Algorithmus basiert auf einer Art positiv diskriminierender Bruchrechnung, also „Affirmative Fraction" statt „Affirmative Action".

Als Beispiel hat Luna Malbroux beim CHD eine Rechnung von Equipay aufteilen lassen. Die Gruppe: Ein Weißer, eine schwarze Frau und ein Asiat. Der Weiße würde 75 Dollar bezahlen, sein asiatischer Freund 89 Dollar, weil asiatische Männer, die im Technologiesektor arbeiten, statistisch gesehen 22 Prozent mehr verdienen als ihre männlichen weißen Kollegen. Ihre schwarze Freundin allerdings würde nur 51 Dollar bezahlen, weil ihre soziale Gruppe so dermaßen unterbezahlt ist. Danke Equipay.

Malbroux ist Stand-up-Comedian und beschäftigt sich mit dem Thema Vielfältigkeit in der Gesellschaft. Bei ihrer interaktiven Comedy-Talk-Sho Live Sex SF reitet sich auch auf Fragen der Sexualität herum (ja, der schlechte Wortwitz war beabsichtigt). Cultivated Wit, die Organisation hinter dem CHD, will mit dem Comedy Hack Day „Humor und cleveres Design verbinden und beweisen, dass kreative Technologien komplexe Themen mit witzigen Produkten verständlich machen können".

Malbroux meint im Gespräch mit Care2, dass die App ursprünglich als humoristische Anspielung auf ein heikles Thema gedacht war. Aber sie hat eben tatsächlich auch einen praktischen Nutzen für soziale Gerechtigkeit. Sie hofft, dass ihre App Diskussionen zum Thema anregt und wie man solche Probleme mit Technik spielerisch angehen kann. In den nächsten Monaten soll die App auf den Markt kommen.

„Wir waren ein wirklich bunt gemischtes Team, nicht nur von der Hautfarbe her, sondern auch auch was unsere Fähigkeiten betrifft. Es hat einfach Spaß gemacht, auch weil so viele unterschiedliche Leute mitgemacht haben. Die App ist ein Beweis dafür, dass wir auch in der Technologie mehr Vielfalt brauchen", so Malbroux gegenüber Care2.

„Jedes Essen trägt damit ein bisschen zur Gerechtigkeit bei."