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Fast Food

Twitter-User macht sich mit "genialem" Fast-Food-Hack zum Staatsfeind Nr. 1

Er sollte sich vielleicht eine Weile von Fast-Food-Restaurants fernhalten.

Alex Swerdloff

Photo via Twitter user @jw

Obwohl 2017 schätzungsweise 3,74 Millionen Angestellte in der amerikanischen Fast-Food-Branche arbeiten, werden die Fast-Food-Mitarbeiter meistens wenig beachtet oder unterstützt. Und obwohl die Amerikaner den Drive-In für den Inbegriff menschlicher Genialität halten, denken die meisten von ihnen maximal beim Bezahlen an die Menschen, die ihnen das Essen zubereiten und servieren.

Doch manchmal geschehen wundersame Dinge in der Welt. Letzte Woche twitterte ein Mann seinen ultimativen Fast-Food-Hack (wenn man das überhaupt so nennen kann) für Chipotle-Tacos und eine Menge Twitter-User denken plötzlich darüber nach, wie wenig die Arbeit von Fast-Food-Angestellten wertgeschätzt wird.

Alles begann damit, dass ein User aus Kalifornien namens Josh Williams bei einer Chipotle-Filiale war, die 45 Minuten von seinem Zuhause entfernt liegt, und sich Tacos bestellte. Bis dahin erst mal nichts Besonderes.

Doch jetzt kommt's: Weil er nicht wollte, dass die Tacos total durchgeweicht sind, bevor er zu Hause bei seiner Frau und seinen drei Kindern ankommt, hatte er einen "genialen" Einfall. Er bat die Chipotle-Angestellten, jede der Zutaten einzeln in einem Plastikbehälter zu verpacken. Die Früchte dieser harten Arbeit postete er dann als Foto auf Twitter und fragte die Twitter-Community: "Bin ich einfach nur komisch? Oder genial?"

Und das Netz implodierte sofort. Einige meinten, dass Josh ein verdammtes Genie sei, weil er damit die Lösung für wabbelige, unansehnliche Tacos gefunden hat. Andere jedoch – darunter niemand geringeres als J.K. Rowling – sahen das anders.

Klar, niemand mag durchgeweichte Tacos. Doch was ist mit den Angestellten, die Williams' Wünschen – sofort und unverzüglich – nachkommen mussten?

Als wir bei Chipotle nachfragten, wie das Unternehmen mit ungewöhnlichen oder übertriebenen Kundenwünschen umging, erhielten wir von einem Sprecher folgende Stellungnahme: "Wir wollen, dass unsere Gäste sich bei uns wohlfühlen. Unsere Teams sind dafür ausgebildet, besonderen Wünschen, im Rahmen des Zumutbaren, so gut wie möglich entgegenzukommen."

Doch was heißt im Rahmen des Zumutbaren? Wo liegt da die Grenze? Was soll ein Angestellter auf Mindestlohnbasis alles machen?

Wir haben uns entschlossen, twitterfreudige Chipotle-Angestellte zu fragen, was sie von Josh Williams' "Hack" halten.


Auch bei MUNCHIES: Tacos, Mezcal und Fish and Chips bei Chef's Night Out:


Twitter-User @phillymontanna arbeitet bei Chipotle und hat auch auf Williams' Tweet reagiert. Für ihn zeige die Bestellung, welche Einstellung viele Kunden gegenüber Fast-Food-Mitarbeitern haben. In einer Twitter-Nachricht schrieb er uns: "Als Chipotle-Angestellter habe ich das Gefühl, dass die Kunden meine Zeit und meine Bemühungen, ihnen das Essen rechtzeitig zu machen, nicht zu schätzen wissen. Da viele Restaurants die Einstellung vertreten 'Der Kunde ist König', steigt das meiner Meinung nach den Kunden zu Kopf und sie haben gegenüber den Angestellten Überlegenheitskomplexe.

Du fragst dich vielleicht, ob es wirklich so schwer ist, Zutaten einzeln zu verpacken. Ja, meint @phillymontanna: "Er ist ja nicht der einzige Kunde in der Schlange. Bei Chipotle ist immer viel los, also egal zu welcher Tageszeit man vorbeischaut, es gibt garantiert eine Schlange und wenn ein Kunde dann denkt, er könnte so etwas machen, ohne an andere zu denken (die Angestellten oder die Kunden), dann ist das einfach respektlos und zeigt den Überlegenheitskomplex, den viele Kunden beim Einkaufen in dieser konsumorientierten Welt entwickelt haben."

Was hätte Williams seiner Meinung nach tun sollen? @phillymontanna: "Alternativ hätte er sich zwei größere Behälter geben lassen können, einen mit den heißen Zutaten und einen anderen mit den kalten, wie zum Beispiel Salsa. Diese Behälter sind besser isoliert als die kleinen, das würde ich jedem empfehlen, der beim Essen ein bisschen pingelig ist."

Eine weitere Twitter-Userin und Chipotle-Angestellte, @joeli_lewis, ist derselben Meinung. Sie sagte uns: "Wenn jeder so anfängt, würden wir so viel Plastikmüll produzieren. Außerdem ist es irgendwie unhöflich, wenn er das zu Stoßzeiten machen würde, weil wir sehr schnell arbeiten und es ziemlich lästig ist, wenn man alles in kleine Plastikbehälter umfüllen muss – anstrengend!

Joeli meint es ernst: "Ich habe kleine Hände, OK? Es ist ziemlich schwer, dann springt der Deckel vom Hähnchen ab und ich muss ihn aufheben und meine Handschuhe wechseln."

Sie ist jedoch auch ein wenig hin und hergerissen: "Wir reden hier von Chipotle, das ist jetzt nicht so das Riesending. Ich mache den Kunden, was sie wollen." Aber sie fügte auch hinzu: "Keine Ahnung, es ist einfach nervig und unpraktisch, iss einfach dein Essen, hör auf so viele Extrawünsche zu haben! Wer will schon neun Behälter bekommen???"

Wir haben auch Josh Williams kontaktiert und nach seiner Einschätzung des ganzen Dilemmas gefragt: "Ich liebe Chipotle. Als ich diesen Tweet gepostet habe, dachte ich, dass ein paar meiner Freunde meine Idee, wie man die Zutaten bis nach Hause frisch hält, gefallen würde. Rückblickend sieht man natürlich leicht, wie die breite Masse diesen Tweet wahrgenommen hat, aber in dem Moment hätte ich nie damit gerechnet."

Josh Williams meint, dass er überhaupt nicht überheblich aufgetreten sei. "Es war am späten Nachmittag, an einem Sonntag, es gab keine Schlange, als ich ankam. Mein Sohn war dabei und es war ziemlich klar, dass ich die Bestellung mit nach Hause zur Familie nehmen würde." Außerdem sagt er, dass er größten Respekt vor Fast-Food-Angestellten hat: "Wer dort arbeitet hat einen der anspruchsvollsten Jobs in der Gastronomie und sie werden definitiv unterbezahlt. Leider kann man in solchen Schnellrestaurants nicht immer Trinkgeld per Kreditkarte geben und heutzutage trägt man nicht mehr wie früher Bargeld mit sich rum. Es sollte einfacher sein, die Leute, die großartigen Service bieten, auch zu entlohnen.

Er fügt außerdem hinzu, dass ihn die Reaktionen auf seinen Tweet ziemlich schockiert hätten: "Bei den Reaktionen bin ich mir nicht sicher, ob ich in nächster Zeit noch mal zu Chipotle gehen kann. Ich habe das Gefühl, ich bin der Staatsfeind Nummer Eins. Ich hoffe, dass ich irgendwann wiederkommen kann. Ich liebe diesen Laden."

Und um auch eine letzte Frage noch zu beantworten: "Nein, ich habe bei [bei der US-Burgerkette] In-N-Out nie darum gebeten, mir den Burger in Einzelteilen servieren zu lassen. Das wäre verrückt."