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Nichts ist witziger als Italiener, die wegen beschissenen Essens ausrasten

Niemand ist so wütend wie ein Italiener, der die Ehre von Mozzarella beleidigt sieht.

Steven Wright

Foto: imago | CTK Photo

Essen. Kaum ein anderes Thema bringt Menschen so sehr in Rage. Aber trotz aller Wut kommt es dabei nie zu körperlicher Gewalt. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn wenn der Twitter-Account @ItalianComments als Gradmesser gilt, dann könnte Ananas auf Pizza in Italien sonst bestimmt für gebrochene Knochen sorgen.

Das Geschichte hinter dem Account des US-Amerikaners Zach Champion ist schnell erklärt: Weil der sich gerne durch Rezepte-Webseiten klickt, ist ihm immer wieder aufgefallen, dass sich sofort eine Art wütender Mob an Italienern in der Kommentarspalte bildet, sobald irgendjemand versucht, ein italienisches Gericht auf kreative Art und Weise (also nicht authentisch) zuzubereiten.


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"Unter den ganzen beschissenen Pasta-Rezepte lassen sich zig erboste Kommentare finden", erzählt der Hobbykoch. "Das ist auch anderen Usern aufgefallen, die dann immer von 'wütenden Italienern' sprechen. Weil so viele witzige Sachen zu lesen waren, entschied ich mich dazu, dafür einen eigenen Account anzulegen." Diesen Account gibt es nun schon seit über einem Jahr. Da könnte man meinen, dass Champion langsam das Material ausgeht. Dem sei aber nicht so, sagt er.

"Auf meiner Festplatte befinden sich noch über 750 Screenshots, die ich noch nicht verwendet habe", erzählt Champion. "Wenn ich wollte, könnte ich den Account wohl noch ewig weiterführen."

Durch sein Hobby hat der Amerikaner auch schon verschiedene Typen von wütenden italienischen Kommentarschreibern inklusive dazugehörigen Klischees ausgemacht.

Die McZwanghaften

"Diese Kommentatoren antworten liebend gerne mit 'Bleibt bei euren Cheeseburgern'. Darauf haben sie sich wegen des amerikanischen Ursprungs von McDonalds fixiert", erklärt Champion. "Außerdem bringen sie gerne ihre Großmütter ins Spiel, die beim Ansehen der Rezepte und Videos alle sterben würden. Ein weiteres Argument der McZwanghaften: die schlechte allgemeine Gesundheit der Amerikaner."

Die politisch Motivierten

Da sich Politik und Kultur im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr vermischt haben, ist es kein Wunder, dass sich diese Italiener gerne über gewisse US-Politiker auslassen.

Die Käsenarren

Du kannst wirklich jeden Italiener dieser Welt fragen: Es gibt keinen Ersatz für echten, fluffigen Mozzarella-Käse. Mit dem billigen Zeug aus dem Supermarkt brauchst du da gar nicht erst anzukommen. Eigentlich musst du sie auch gar nicht erst fragen, denn wie die Screenshots zeigen, lassen sie dich das auch schon von selbst wissen.

Die Pasta-Patrioten

Wenn man sich durch Champions Feed scrollt, wird schnell klar, dass sich Italiener bei jeder Gelegenheit über die falsche Zubereitungsweise von Nudeln beschweren. Ihrer Meinung nach ist das Ganze total einfach: Wasser zum Kochen bringen, die Pasta reinwerfen und das wars. Störfaktoren wie Milch oder Knoblauch machen den Vorgang nur unnötig kompliziert.

Die Anti-Ananas-Fraktion

Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass das "Ananas als Pizzabelag"-Dilemma selbst die besten Freundschaften zerstören kann. Bei vielen Italienern scheint dieses Problem aber noch mal ein ganz anderes Level der Wut auszulösen.

Der Global Player

Die Abscheu der Italiener gegenüber den Experimenten mit ihrer Küche scheint keine Grenzen zu kennen. Aber nicht nur typische US-amerikanische Speisen bekommen im Gegenzug ihr Fett weg. Auch deutsches und britisches Essen muss sich dann in Acht nehmen.


Laut Champion sind Italiener bezüglich der Verschandelung des eigenen Essens gar nicht mal wütender als andere Nationen. Aber weil Pizza und Pasta weltweit so beliebt sind, stolpert man öfter über wütende Kommentare der Südeuropäer.

Champion merkt allerdings auch schnell an, dass neben den vielen boshaften Nachrichten auch eine Menge vernünftige Kommentare abgegeben würden. Gerade die Italiener seien aber unglaublich gut im Beleidigen der Menschen, die mit ihren Rezepten herumexperimentieren. So fänden sie immer wieder neue Wege, Amerikaner als fett und würdelos zu bezeichnen.

"Ich finde es immer am besten, wenn sie ins Italienische abdriften", erzählt Champion. "Dann ist im Normalfall auch alles großgeschrieben. Sie werden immer wütender. Wenn es um Beleidigungen geht, sind sie jedoch unglaublich präzise. Sehr beeindruckend."

Champion will den Twitter-Account noch so lange betreiben, wie er anderen Usern Freude bereitet. Vor Kurzem erstellte er zum einjährigen Jubiläum auch einen Top-Ten-Countdown mit den besten Kommentaren. Nummer neun ist dabei besonders prägnant: "Ihr esst Scheiße und macht Gott für die Fettleibigkeit in den USA verantwortlich. Wenn ihr richtiges Essen essen würdet, wäre euch schnell klar, dass ihr euer ganzes Leben lang nur Scheiße verdrückt habt."

Letzte Woche war ich zweimal bei McDonalds. Irgendwo muss ich diesem Kommentator also recht geben.

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