Das Tierschutzlabel kommt – mit einem großen Problem

Das „Zwei-Klassen-Fleisch“ soll es demnächst an jeder Theke geben.

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16 Januar 2017, 3:21pm

Ein Mitglied der „Bürgerinitiative Rettet das Landleben“ demonstriert in Alt Tellin gegen Massentierhaltung. Foto via imago

„Zwei-Klassen-Fleisch" soll es demnächst an jeder Ladentheke geben. Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU) hat das in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung angekündigt, demnächst will er seine Pläne konkretisieren. „Es wird voraussichtlich zwei Stufen geben, Standard und Premium", sagte er der F.A.S.

Auf der Grünen Woche will er deutlicher werden, was er sich vorstellt. Die Grüne Woche ist die weltweit größte Agrarmesse und traditionell auch ein eher kritisches Pflaster. Im letzten Jahr stürmten Tierschützer in die Veranstaltung, um gegen Massentierhaltung zu demonstrieren. Vor Minister Schmidt hielten sie ein Plakat hoch: „Stoppt Massentierhaltung!" „Jedes Lebewesen hat eine Würde", rief einer der Aktivisten.

Auch Schmidt hat inzwischen erkannt, dass viele Menschen wollen, dass sich beim Tierschutz in der Massentierhaltung etwas ändert. Zusammen mit den Herstellern will er sich darauf verständigen, dass der Tierschutz besser ist, als es das Gesetz vorgibt, wenn er das „Premium" Label bekommen will. Die Tiere sollen dann mehr Platz bekommen, anderes Futter und Spielmaterial, um sich zu beschäftigen. Allen anderen bleibt Standard, auch die Preise sollten deutlich auseinanderliegen.

Und genau dort liegt das Problem. Indem Schmidt ein Label einführt, das besser als die gesetzlichen Vorschriften sein soll, akzeptiert er, dass es mit eben jenen Vorschriften ein Problem gibt. Er akzeptiert, dass diese Vorschriften nicht weit genug gehen. Er sieht ein Problem, entscheidet sich aber dafür, es nicht selbst zu lösen. Er übernimmt keine Verantwortung, er überlässt die Entscheidung den anderen, den Kunden und damit können Verhältnisse weiterbestehen, in denen der Tierschutz keineswegs optimal ist.

Oder wie es Schmidt ausdrückt: „Mein Tierschutzlabel ist eine Form von Nudging". Entscheidungen anstoßen, ohne Gesetze zu erlassen. Das heißt das.