McDonald's eröffnet eine Filiale im Vatikan: Das gibt Streit

Nur der Papst hat sich dazu noch nicht geäußert.

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06 Januar 2017, 8:00am

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Jedes Jahr besuchen ungefähr sechs Millionen Touristen die Vatikanstadt, doch bevor sie sich die beeindruckenden gewölbten Decken des Petersdoms anschauen können, müssen sie nun vorher an anderen Bögen vorbei—goldenen Bögen.

Letzte Woche hat McDonald's einen Steinwurf vom Vatikan entfernt in einem Gebäude, das der Kirche gehört,eine neue Filiale eröffnet. Nicht liebt jeder es.

Der McDonald's wurde an der Ecke der Straßen Borgo Pio und Via del Mascherino eröffnet, rund 100 Meter vom berühmten Petersplatz entfernt. Anwohner, die schon verärgert über die Verkäufer im Viertel sind, die Touristen allen möglichen Tand andrehen, beschweren sich, dass die McDonald's-Filiale „der Gnadenschuss für ein schon verletztes Tier" sei. Ein Kardinal meinte auch, dass es nicht gerade der Mission der Kirche entspricht, Immobilien des Vatikans an Ronald McDonald zu vermieten. Heiliger McFlurry!

Als die Pläne für den McDonald's—oder auch den McVatikan—im Oktober verkündet wurden, bezeichnete Kardinal Elio Sgreccia gegenüber La Repubblica die Entscheidung als „Schande", er würde dieses Essen „niemals essen". Außerdem meinte er, dass die Räume—für die McDonald's immerhin bis zu 30.000 Euro Miete im Monat zahlt—lieber dafür genutzt werden sollten, Bedürftigen zu helfen.

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Und weil das hier Italien ist, meinte der Kardinal nicht nur, dass das Restaurant den Prinzipien der Kirche widerspreche und die architektonische und urbane Tradition von Rom und Vatikanstadt nicht respektiere, sondern auch, dass die Filiale ein Affront gegen die italienische Küche sei: „Es ist eine rein geschäftliche Entscheidung, […] die römische kulinarische Tradition vollkommen außer Acht lässt."

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Foto von Joseph Tame via Flickr

In dem Gebäude haben bereits einige Kardinäle gewohnt, unter anderem auch Ex-Papst Benedikt XVI. Doch die Abteilung für Immobilienverwaltung des Vatikans hat grünes Licht für die Vermietung gegeben, trotz Protesten. Einige Kardinäle hatten sich besorgt geäußert, dass sie die Kosten tragen müssten, damit das Gebäude restauranttauglich umgebaut werden kann.Das Presseamt des Heiligen Stuhls hat uns bisher nicht auf unsere Anfrage geantwortet.

In einem Statement gegenüber MUNCHIES hat ein McDonald's-Sprecher klargestellt, dass sich die neue Filiale „in einer beliebten Touristengegend außerhalb der Vatikanstadt befindet, in der es bereits viele Restaurants, Bars und Geschäfte gibt. […] Wie auch in anderen Fällen, wenn McDonald's-Filialen in der Nähe historischer Stätten in Italien eröffnet werden, wurde dieses Restaurant unter Berücksichtigung der historischen Umgebung komplett angepasst."

Im Juni hat sich McDonald's jedoch dabei wohl nicht genug angestrengt, als in Florenz eine McDonald's-Filiale auf der berühmten Piazza di Duoma abgelehnt wurde. Daraufhin verklagte der Fast-Food-Riese die Stadt auf 18 Millionen Euro.

Und am Horizont lauern noch mehr Immobilienprobleme für den Vatikan: In der Via della Conciliazione, dem großen Boulevard, der direkt auf den Petersplatz führt, soll ein Hard Rock Café eröffnen—in einer ehemaligen Bücherei des Salesianer-Orderns. Ein Priester einer Kirche in der Nähe meinte dazu (wahrscheinlich im Scherz) gegenüber Deutsche Welle, dass Rockmusik „satanisch" sei und dass er jedes Mal einen Segen sprechen würde, wenn er daran vorbeikäme.

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Es gab zwar schon Spekulationen, dass der McVatikan insbesondere bei der Schweizergarde, die ganz in der Nähe ihr Quartier hat, beliebt sein wird, dennoch rückt Kardinal Sgreccia nicht von seiner Meinung ab: „Ich sage es noch einmal: Der Fast-Food-Riese in der Borgo Pio ist eine Schande."

Papst Franziskus hat sich bisher noch nicht zum McVatikan geäußert. Aber wahrscheinlich wäre ihm eine Pizzeria lieber gewesen.