War Hitler wirklich Vegetarier und ist denn das nicht völlig egal?

Immer wieder liest man, dass Hitler Vegetarier gewesen sein soll. Auch wenn wir euer Interesse daran nicht ganz verstehen, klären wir auf.

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22 Juni 2015, 12:51pm

Immer wieder wird in diversen Ernährungsdebatten erwähnt, dass Hitler Vegetarier gewesen sein soll. Auch wenn wir euer Interesse daran nicht ganz verstehen, weil es absolut nichts Relevantes aussagt, versuchen wir hier ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass Hitler Tiere mochte und einen beschissenen Magen hatte.

Hitler war Tierschützer und schockierte während des Essens mit grausamen Beschreibungen der Gemetzel in Schlachthöfen, sodass „vielen Gästen schlecht wurde", berichtete seine Köchin. Der Hitler-Biograf Robert Payne weist außerdem daraufhin, dass das Image eines asketisch lebenden und vegetarischen Führers als Propagandakonstrukt gedient habe, das vor allem vom fleischfressenden Goebbels gepflegt wurde.

Im November 1933 erließ Hitler das Reichstierschutzgesetz, das besagte, dass Tiere um ihrer selbst Willen zu schützen seien. Es war das bis dahin umfassendste Tierschutzgesetz der Welt. In einer Studie schreibt der Rechtshistoriker Winfried C. J. Eberstein, dass dadurch „die Rechtsstellung des Tieres erheblich verbessert wurde". 1934 kam dann das Reichsjagdgesetz, ein Jahr später das Naturschutzgesetz, 1937 wurden Tiertransporte rechtlich geregelt und diese Gesetze verschafften den Nazis weltweites Ansehen.

Hitler nippte während des Essens an nur einem Glas Wein, aß vorwiegend vegetarisch und liebte Torten mit viel Schlagsahne. Hauptgrund seines liberalen Vegetarismus—er aß laut SPIEGEL durchaus immer wieder Leberknödel, bayerische Würste und Täubchen—war aber womöglich sein Reizdarm und nicht seine Lustlosigkeit an Fleisch. Er hatte schwere Blähungen und Krämpfe nach dem Essen und ab 1933 kochte eine eigene Diätköchin für ihn. Vor allem Rohkost und Müsli standen auf seinem Speiseplan.

Sein Vegetarismus hatte, so scheint es, vor allem gesundheitliche Gründe und gab Goebbels Stoff, um Hitler zu idealisieren und imagemäßig aufzupolieren.

Das exzentrische Essen von Diktatoren

Das Buch Dictator's Dinner"–a Bad Taste Guide to Entertaining Tyrants hat die Ernährung und Vorlieben verschiedener anderer Wahnsinniger genauer unter die Lupe genommen.

Demnach hatte auch der libysche Tyrann Muammar Gaddafi Verdauungsprobleme. Während eines 40-minütigen BBC-Interviews genierte er sich nicht im Geringsten, ständig zu furzen. Wahrscheinlich aufgrund der riesigen Mengen Kamelmilch, die er trank.

Bekannt war auch, dass Stalin die üppige georgische Tafel und wilde Trinkgelage liebte. Nach so einer Maßlosigkeit machte dann Nikita Chruschtschow schon mal ins Bett und Jugoslawiens Diktator Josip Broz Tito kotzte in seinen Ärmel.

Ausgerechnet Saddam Hussein liebte amerikanische Süßigkeiten. Als er im Erdloch entdeckt wurde, waren Mini-Mars-Riegel auf dem Tisch und Bounty im Kühlschrank.

Auch wenn Anekdoten von sich-in-die-Hose-machenden-Diktatoren irgendwie unterhaltsam sind, Vegetarier mit Hitlers Vegetarismus zu konfrontieren oder zu dissen, ist einfach nur dumm.

Foto: Imago