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Die Tabasco-Fabrik ist ein wunderbarer Ort

Ich wollte schon immer mal das Tabasco-Hauptquartier besuchen, also machte ich mich auf und pilgerte nach Avery Island. Gibt es noch andere Fabriken, die neben einem Vogelschutzgebiet und einem buddhistischen Tempel liegen?

Sarah Baird

Image via Flickr user Paul Arps

Selbst die Hölle kann nicht so wüten wie eine Gruppe Menschen aus Louisiana, die über scharfe Soße diskutieren. Allerdings kann niemand den Vater aller scharfen Soßen aus Louisiana ignorieren: der allmächtige Tabasco.

Für viele Leute ist Tabasco das erste, das ihnen in den Sinn kommt, wenn sie die Worte „scharf" hören. Das wirkungsvolle, rote Zeug wird in über 165 Ländern verkauft und auf 22 Sprachen bedruckt und ist damit überall ein fester Bestandteil von Restauranttischen. Wenn coole Dads im Sommer mal was ganz Verrücktes machen wollen, dann ziehen sie sich sogar ein Hemd mit Tabasco-Aufdruck an.

Ich wollte schon immer den Hauptsitz von Tabasco besuchen—und wenn ich dort nur rausfinden sollte, ob Tabasco-Mayonnaise wirklich so lecker schmeckt wie sie klingt. Also nahm ich die von New Orleans aus zweistündige Reise nach Avery Island auf mich, was sich mitten in den Sümpfen von Louisiana befindet. Wie viele andere Firmen kennst du, die sich am gleichen Ort befinden, wie ein Schutzgebiet für seltene Vögel und ein buddhistischer Tempel? Nach welcher Insel, die auch der Standort der Firma ist, haben Neutral Milk Hotel ein Album benannt? Genau. Also spielte ich On Avery Island auf voller Lautstärke in meinem Auto ab und fuhr zum Mekka der scharfen Soße.

Wenn du an den Griebenschmalz und Blutwurst herstellenden Fleischereien vorbei gefahren bist und auf die Insel kommst, verschmilzt die Realität mit der exotischen Flora und Fauna und du erblickst das davon umgebene Produktionszentrum der beliebtesten scharfen Soße der Welt. Nachdem ich 75 Cent Gebühr bezahlt habe, nahm ich einen Schluck von der bereits Zuhause zubereiteten Mischung aus Tabasco und Bourbon (es schien unhöflich, dies nicht zu tun, OK?), die ich in meiner Tasche verstaut hatte und schloss mich der kostenlosen Tour durch die Firma an. Avery Island ist nicht nur die Heimat von Tabasco—was du sofort riechen kannst, sobald du dich dem Gebiet näherst—, sondern hat auch eine geographische Besonderheit: es gibt eine Salzmine. Ich habe ein paar Arbeiter in der Fabrik gefragt, ob ich da mal runter schauen dürfe. Daraufhin lachten sie nur nervös und sagten, dass sie für Besucher geschlossen sei, weil sich dort vor ein paar Jahren ein Unfall ereignete. Schade.

Nach der Verwüstung während des amerikanischen Bürgerkriegs stieg die Insel zum Imperium der scharfen Soße auf. Dafür verantwortlich war die McIlhenny-Familie, die die Salzquelle dazu nutze, um die Fässer voller pfefferhaltiger Gewürze, die auf dem Grundstück angebaut wurden, haltbar zu machen. Es ist schier unglaublich, auf wie viele unterschiedliche Arten Tabasco seitdem in der globalen Nahrungsmittelherstellung Einzug gefunden hat. Die Fässer, die zum Haltbar-Machen der Soße verwendet werden, kommen zum Beispiel aus der Produktionsstätte von Jack Daniels in Tennessee. Nach dem Verfeinern der Soße werden die Pfefferkörner nach Kalamazoo in Michigan geschickt, um bei der Herstellung von Big Red Kaugummi, scharfen Süßigkeiten und Pfefferspray genutzt zu werden. Genau so wie das Spray kommt das Capsaicin überall hin.

Die beeindruckende Langlebigkeit und der Erfolg von Tabasco ist zum Großteil dadurch begründet, dass sich das Produkt den sich verändernden Zeiten anpasst. Die Leute sind zur Zeit scharf auf Sriracha, also startete Tabasco eine Zusammenarbeit und veröffentlichte vor drei Wochen seine eigene Sriracha-Soße. Diese besitzt die schwere, süße Schärfe und den Thai-Chili-Geschmack von Sriracha, aber gleichzeitig auch diesen säuerlichen, bekannten Essig-Touch von Tabasco. Das Repertoire endet jedoch nicht bei den Soßen. Ganz und gar nicht. Du willst Tabasco-Cola? Am Start. Jalapeño-Eiscreme? Jap. Grüner Pfeffer-Marmelade? Aber sicher doch. Einige Varianten der Soße selbst—ich schau dich an, Himbeer-Chipotle—tanzen zwar aus der Reihe, aber es sind doch seltsamerweise alle beliebt bei den ganzen internationalen Touristen, die zwischen all den Probierständen mit einem dämonischen Grinsen im Gesicht hin und her wuseln. Die Leute nehmen Tabasco wirklich nicht auf die leichte Schulter.

Die meisten Firmen, die ich kenne, haben ihren Sitz in trostlosen Industrieparks außerhalb der Stadt. Der Sitz von Tabasco ist da das genaue Gegenteil. Nach der Tour durch die Produktionsstätte werden die Besucher dazu aufgefordert, durch die botanischen Gärten von Avery Island zu flanieren (dazu gehört auch eines der größten Kamelienfelder des Landes) und sich den buddhistischen Tempel anzusehen, der über einem Zen-Garten voller Bambus thront. Zeig mir eine anderes Unternehmen, das in so einem umwerfenden Naturgebiet liegt, und ich trage eine Woche lang Tabasco-Kontaktlinsen.

Die schöne Umgebung war das, was mich neben den hysterischen Gefühlsausbrüchen der anderen Besucher am meisten erschreckt hat. Das Nebeneinander vom comichaften Charakter der Firma—es wurden Notenblätter einer Tabasco-Oper ausgestellt—und der Schönheit der Insel mit all seinen Besuchern, die wie Komparsen in The Truman Show lächeln und Tüten voller Tabasco-Boxershorts und Hundepullis mit sich schleppen, war (und das klingt jetzt vielleicht pathetisch) die bunteste Kollision von Kommerz und Natur, die ich je gesehen habe. Was für ein Erlebnis.

Oh, die Mayonnaise war übrigens fantastisch.

Oberstes Foto: Paul Arps | Flickr | CC BY 2.0