Diese Torte hat einer Konditorin viel Lob und ein paar Todesdrohungen eingebracht

Die “Kill Nazis“-Glasur kam nicht überall gut an.

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Sep. 4 2017, 8:32am

Foto: Screenshot von Instagram-Userin asleyshotwellcakes

Allerspätestens seit ein Gebäck die Bekanntschaft mit Beatrix von Storchs Gesicht machte, wissen wir, dass Torten bei all ihrer herrlichen Cremigkeit auch politisch sein können.

Vor allem in den USA aber scheint Protest mit Gebäck über das klassische sahnige Wurfgeschoss hinauszugehen. Der eine kämpft für das Recht, keine Torten für gleichgeschlechtliche Hochzeiten zu backen, die andere verwandelt eine Bäckerei in einen Hort der sozialen Gerechtigkeit und Promis verwenden Torten als Sketch-Requisite gegen Naziaufmärsche. Torten haben also eindeutig die Macht, mehr zu verändern als deinen Hüftumfang.

Da verwundet es nicht wirklich, dass sich der Ton der Tortenpolitik im Post-Charlottesville Amerika ungleich verschärft hat.

Ashley Shotwell ist so etwas wie die neue Vorreiterin in Sachen drastische Backwaren. Ihre "Kill Nazis"-Torte ging viral, nachdem ihr vorgeworfen wurde, zu Gewalt aufzurufen.

Die Geschichte der "Kill Nazis"-Torte begann mit einer anderen Tortenkreation von Shotwell. Als jemand kurz vor Charlottesville eine Torte mit "Resist Fascism"-Schriftzug bei ihr bestellte, schrieb sie kurz darauf auf Instagram: "Das Timing hätte nicht besser sein können. Es zerbricht mir das Herz, dass solcher Hass immer noch existiert."

Nach Charlottesville verschärfte sich der politische Diskurs und mit ihm auch die Bestellungen bei Shotwell.

Wenig später erhielt die Konditorin eine Bestellung von einem anderen Kunden, der von ihrer "Resist Fascism"-Torte inspiriert war. Er wünschte sich eine Torte mit dem problematischen "Kill Nazis".

"Die Torte war nicht meine eigene Idee. Jemand hat sie bestellt", so Shotwell gegenüber MUNCHIES. "Aber ich hatte kein Problem damit. Ich dachte mir, dass die einzigen Menschen, denen ich damit vor den Kopf stoßen würde, Nazis wären."

Also kreierte sie eine schwarz-rote Torte und dekorierte sie mit einem Glasur-Schlagring, einer Glasur-Nagelkeule und einer Glasur-Kette. "Bereits in der Vergangenheit habe ich Torten mit unkonventionellen Themen gemacht: Torten mit brennenden Polizeiwagen, mit Genitalien und die 'Resist Fascism'-Torte nur ein paar Tage vor 'Kill Nazis'."

Bei dem eindeutigen Statement dauerte es allerdings nicht lange, bis ihr Werk viral ging, nachdem sie ein Video davon in den sozialen Netzwerken gepostet hatte. Sie geht davon aus, dass insbesondere "Alt-Right-Gruppen" ihren Post verbreitet haben. Als Resultat wurde ihre Facebook-Seite mit etlichen Ein-Stern-Reviews und negativen Kommentaren überhäuft.

Die negativen Reviews auf ihrer Seite enthalten auch so irrelevante Kritiken wie: "Kommunistisches Gebäck hat keinen Platz in Amerika. Verpiss dich und geh zurück in das Berkeley-Snobloch, aus dem du gekrochen bist" und "Wenn Trump-Unterstützer für hirntote Leute wie Ashley und die Antifa Nazis sind, dann provoziert sie Gewalt gegen sie."


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Schnell löschte sie das Video schnell wieder von Facebook – allerdings nicht von Instagram, wo es größtenteils Lob für das antifaschistische Backwerk zu geben schien.

"Ich habe gehört, dass dich diese Torte zum Ziel [für Rechte] gemacht hat. Scheiß auf diese bekackten Nazis. Ich empfehle dich allen weiter. Wie kann ich einen 'Kill Nazis'-Kuchen bestellen? Oder vielleicht eine 'Kill the KKK'-Torte mit einem kleinen Zipfelkopf, der an einem Baum hängt?", schrieb ein streitlustiger User, wohingegen sich @limpbizkitfan666 für ein schlichtes Herzchen-Emoji entschied.

Shotwell sagte gegenüber SF Gate, dass sie zurückblickend vielleicht eher "Punch Nazis" als Tortenbeschriftung gewählt hätte.

Ihr sei auch klargeworden, dass Facebook vielleicht nicht die beste Plattform gewesen ist, um ihre Kreation mit der Welt zu teilen. Gegenüber MUNCHIES sagte sie: "Ich bereue lediglich, es bei Facebook gepostet zu haben. Dort wurde sie von einem Haufen rechter Gruppen geteilt."

Tatsächlich sagt Shotwell, dass sie Todesdrohungen per Telefon erhalten habe. Größtenteils hätten Menschen ihr aber ihre Unterstützung mitgeteilt. "Insgesamt habe ich viel mehr positives als negatives Feedback erhalten."