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Unprätentiöse Imbisse: RIS A Chicken

Sich aufrichtig und dauerhaft gut fühlen, das kann man nur, wenn man sich Frittiertes gestatten kann. Das hat etwas mit Selbstliebe zu tun. Wir glauben Ada Blitzkrieg alles!

Ada Blitzkrieg

Street Food ist meine Schwester und ich schütze ihre Ehre. Für Munchies bin ich deswegen ab sofort regelmäßig auf geheimer Mission in Berlin unterwegs, um genau die Spots ausfindig zu machen, die für kleines Geld perfektes Essen bieten. Unprätentiös, kostengünstig und schmackhaft–das wahre Street Food Berlins.

Dieses Mal mit Hangover und Halāl Hähnchenkoma in Neukölln.

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Deutschland ist also angeblich geil, zumindest wenn man den 80 Millionen Sprallos glauben soll, die hier leben. Wie aber kann ein Land bitte geil sein, wenn es dort nur genau einen Anbieter für Fried Chicken gibt? Viele Mitbürger kennen frittiertes Hühnchen nur noch aus amerikanischen Soaps. Das nenne ich eine ernstzunehmende Bildungsmisere! Es wäre also eigentlich mehr als dringend angezeigt, in diesem Bereich fundierte Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Politik sieht währenddessen natürlich einfach weg. Also habe ich mich höchstpersönlich dazu entschlossen, ehrenamtlich Lobbyist für frittierten Geflügelschrott zu werden und meinen ersten Arbeitstag direkt in Neukölln gestartet.

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Machen wir uns nichts vor, das Essen bei KFC schmeckt nach altem, ranzigem Fett, ist viel zu teuer für den frittierten Geflügelwust, den es eigentlich darstellt, und als Pommes gehen die im Frittieröl eingelaufenen Kartoffelsiffos auch nicht wirklich durch. Kein Wunder also, dass Frittiertes in diesem Land einen so unsäglich schlechten Ruf genießt.

Mitverantwortlich dafür ist meiner Meinung nach die Öko-Bewegung und der weit verbreitete Antiamerikanismus, der Fastfood als den personifizierten Teufel auserkoren hat. Da können einem Chicken Wings ja schon fast leid tun, zumindest dachte ich mir das letzten Sonntag und machte mich in enormer Katerstimmung auf den Weg, um die Ehre des Frittierten wiederherzustellen.

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Gesund? Ach komm! Müssen wir darüber jetzt ernsthaft diskutieren? Ja, zugegeben, es ist nicht gerade Raw Food oder eine entschlackende Detox-Kur, aber wer genau das möchte, kann ja gerne mit seinen langweiligen und superschönen Freunden bei Daluma in Mitte rumsitzen und sich nachher einreden, dass er sich jetzt supergut fühlen kann!

Dabei weiß im Grunde jeder, dass es eine Lüge ist, denn sich aufrichtig und dauerhaft gut fühlen, das kann man nur, wenn man sich Frittiertes gestatten kann! Das hat etwas mit Selbstliebe zu tun. Der Akt sich ein fetttriefendes Hähnchenteil in den weit aufgerissenen Mund zu stecken und nachher die Hände an der Hose abzuwischen, fühlt sich in Zeiten von Ernährungsstörungen und Gesundheitswahn schon fast kriminell an. Man muss es sich aber einfach nur trauen.

Wie gesagt, ich glaube, man muss der Typ Mensch für diese Art Wagnis sein. Aber das bin ich: jung, verroht, etwas aggressiv und leicht übergewichtig. Sowohl meinen guten Teint als auch meinen weiblichen Booty habe ich in erster Linie dem Frittiertem zu verdanken. Man kann also durchaus so weit gehen und den Akt des Fried Chicken-Verzehrs als Fitness und Wellness für die Seele verbuchen. Machen leider nur viel zu wenige.

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Nun ist es aber Gott sei Dank so: In Neukölln scheint es eine Szene von Menschen wie mich zu geben, die ebenfalls auf frittiertes Geflügel abfahren und wo eine Nachfrage ist, da gibt es bekanntermaßen auch ein Angebot. Wenn das Angebot dann noch wie hier eine hervorragende Qualität hat, dann ist es ein Foodparadies. Die beiden Giganten City Chicken und RIS A Chicken leisten sich an der Sonnenallee einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft im Geflügel-Business und wir können, als große Profiteure, an erster Front sitzen, Passanten beobachten und dabei Chicken genießen.

Der Ort:

Wenn man die Sonnenallee entlangschlendert, fällt einem das im Ladenlokal beherbergte Hähnchenkarusell gleich ins Auge. Dabei handelt es sich um ein LKW-großes Eisengebilde, das wie die gigantische Zahnspange einen Riesen wirkt, in dem sich einzelne Hähnchen verfangen haben. Nun hat aber ein findiger Mensch dieses kieferorthopädisch anmaßende Gebilde nicht in einen Mund gesetzt, sondern über rote, unfassbar heiße Glut. Es dreht sich immerzu und transportiert mit jeder Runde etwa vierzig zischende Hähnchen im Kreis, die dabei knusprig anbraten und dann und wann von einem schwitzenden Mitarbeiter mit etwas Öl eingepinselt werden. Dabei harren sie einfach nur bis zum perfekten Zeitpunkt aus, drehen geduldig Runde um Runde, um dann ihr saftiges Inneres unanständig im Rahmen der kulinarische Entjungferung zu entblößen.

Der Laden ist immer gut gefüllt. Zu Stoßzeiten muss man damit rechnen auch mal zehn Minuten auf seine Bestellung warten zu müssen. Am besten kauft man sich dann ein Ayran, das hier einen Euro kostet, setzt sich auf eine der Sitzgelegenheiten am Fenster und beobachtet die Kollisionen von Fahrrädern und Autos auf der belebten Sonnenallee.

Die Klientel:

Die meisten Menschen sind mir eigentlich sehr ähnlich. Diese Tatsache ist spannend, den optisch unterscheiden sich die Menschen hier stark nach ihrer Herkunft. Ich als langweilige Deutsche, etwas angespeckte Mitte-Ende-Zwanzig-Jährige gehe in der Pluralität also auch einfach unter. Am Ende eint uns alle der Appetit auf Chicken und die Entscheidung Jogginghosen als Alltagskleidung wertzuschätzen.

Das Gericht:

Für Veganer ist der Laden eher nicht geeignet, es sei denn man ist ein veganer Masochist. Für rund 10 Euro haben wir so lange feinstes Frittiertes gegessen bis uns nur noch schlecht war. Und damit meine ich eine genussvolle Übelkeit. Die Brotbeilage, die in Form von leckeren arabischen Fladenbroten daherkommt, konnten wir am Ende nur noch nutzen um unsere fettverschmierten Finger abzuputzen, so satt waren wir. Für 1,50 Euro bekommt man einen Salat. Alles wird Halāl direkt im Laden zubereitet.

Tipps:

Unbedingt den Hummusdip ordern, denn der ist hausgemacht und wird supercremig mit einem schmackhaften Olivenöl abgerundet. Am besten kommt man gleich zu zweit her und teilt sich ein Grillhähnchen und ein paar Geflügelteile. Man will sich einfach nicht zwischen Grillhähnchen und Frittiertem entscheiden müssen. Übrigens sind die Wings besser als die Fried Chicken Crossis. Folgt einfach eurer Intuition!

Preis:

Pi mal Daumen habe ich für ein halbes Grillhähnchen, eine Hummus Bowl, zwei riesige, frittierte Chickenklumpen (Chicken Kross), sechs Wings, scharfe Sauce, Toum (libanesische Knoblauchpaste) und drei arabische Fladenbrote etwa zehn Tacken bezahlt und möchte mich nicht beschweren.

RIS A Chicken

Sonnenallee 25

12047 Berlin