Dein Schoko-Weihnachtsmann rottet Nashörner aus

Auch dieses Jahr zu Weihnachten wirst du wieder haufenweise Schokolade und Kekse verputzen. Vermutlich ohne es zu wissen, beraubst du so Dschungeltiere ihres Lebensraums. Es geht aber auch anders.

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03 Dezember 2014, 8:30am

Foto via imago

Weihnachten rückt in großen Schritten näher und schon seit Wochen stapeln sich in den Supermärkten wieder die festlichen Naschereien. Egal, ob die Lebkuchenherzen mit Aprikosenfüllung oder der Haselnuss-Weihnachtsmann dein Favorit ist, sie haben alle eins gemeinsam: eine ihrer Zutaten ist für das Aussterben von majestätischen Dschungeltieren wie Orang-Utans, Elefanten, Tiger und Nashörner verantwortlich.

Schockierenderweise (oder auch nicht...) werden für die Herstellung von Schokolade nicht immer die hochwertigsten Zutaten verwendet. Stattdessen greifen Produzenten oft zum billigen Palmöl, ein Lipid, dessen Produktionskette zur massiven Zerstörung der Regenwälder in Indonesien und Malaysia beiträgt. Und keine Regenwälder bedeutet keine Tiere.

Natürlich enthalten noch viele andere Nahrungsmittel Palmöl: Donuts, Pizzateig, Instant-Nudeln, Eiscrème oder in Scheiben aufgeschnittenes Brot, um nur einige zu nennen. Außerdem landet es oft in Haushaltsartikeln wie Lippenstift, Shampoo, Waschmittel und Seife.

In der westafrikanischen Küche wird Palmöl traditionell zum Kochen verwendet, in anderen Ländern hat es erst in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Da die Ölpalme unter den Nutzpflanzen, aus denen Öl hergestellt wird, den größten Ertrag bringt und weil die Produktion und das Raffinieren besonders günstig sind, greifen immer mehr Hersteller von abgepackten Waren zu diesem pflanzlichen Öl. Obwohl um die 50 Prozent der Lebensmittel im Supermarkt Palmöl beinhalten, bist du dir des Konsums unter Umständen gar nicht bewusst. Palmöl kann nämlich (neben vielen anderen Namen) als pflanzliches Öl, vegetabiles Fett, Glyceryl, und Palmolein gekennzeichnet sein.

Der drastische Anstieg des Palmölkonsums hat verheerende Folgen für die Umwelt. Mit der sprunghaft ansteigenden Palmölproduktion—2013 waren es weltweit 58 Tonnen—schwinden die feuchten, tropischen Regenwälder, in denen die Ölpalmen besonders gut gedeihen, dahin. Regenwälder werden großflächig abgeholzt, um für Monokulturen von Ölpalmen Platz zu schaffen. Zwischen 1990 und 2010 waren es mehr als 3,5 Millionen Hektar Regenwald, die in Indonesien, Malaysia und Neuguinea vernichtet wurden.

Das sind schlechte Neuigkeiten für die einheimischen Tierarten, von denen viele schon auf der Liste der gefährdeten Arten standen, bevor die Palmölproduktion so rasant anstieg. Die Sumatra-Nashörner auf Borneo sind mit möglicherweise weniger als 50 Tieren akut vom Aussterben bedroht. Der Borneo-Zwergelefant, der in derselben Region heimisch ist, existiert nur noch in isolierten Bereichen von geschützten Regenwäldern, die „möglicherweise zu klein sind, um [ihr Überleben] sicherstellen zu können", so der WWF. Die majestätischen Sumatra-Tiger sind schon fast ausgerottet, der Bestand des Borneo-Orang-Utans, eine der menschenähnlichsten Arten, die noch am Leben sind, ist innerhalb der letzten 60 Jahre um 50 Prozent gesunken.

Wenn du also demnächst wieder in weihnachtlicher Vorfreude haufenweise Lebkuchenherzen und Zimtsterne verputzt—und um fair zu sein, auch viele andere Nahrungsmittel—treibst du dabei die massive Vernichtung einiger der seltensten und schönsten Arten unseres Planeten voran.

Trotz der Aufklärungskampagnen von Umweltschutzorganisationen wie dem WWF, scheint der Anstieg der Palmölproduktion nicht zu stoppen zu sein: 2014/2015 soll um 6 Prozent mehr als im Vorjahr erzeugt werden.

Falls du ein schlechtes Gewissen hast, weil du dir Essen in den Mund stopfst, für das Tiere getötet werden, gibt es aber Hoffnung. Gruppen wie der Round Table for Sustainable Palm Oil (RSPO) setzen sich für die nachhaltige Produktion von Palmöl ein, das nur aus Gegenden gewonnen werden soll, die bereits gerodet wurden, anstatt noch mehr Regenwälder abzuholzen, wie es in der Industrie die Norm ist.

Die Resultate dieser Initiativen werden vermutlich für den Konsumenten nicht von heute auf morgen zu spüren sein. Wenn du dich aber schon dieses Jahr zu Weihnachten ohne einen Tiger auf dem Gewissen zu haben in ein Schoko-Koma befördern willst, gibt es einen Ausweg: Bewusster einkaufen. Schokolade gibt es (besonders im Bioladen) auch ohne Palmöl.

Foto: Colin the Scot via Flickr