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Barkultur

Cocktailguru David Kaplan über seine Zeit vor Death & Co.

Auf dem Weg zu meiner eigenen Bar verschlug mich meine Reise von der winzigen Cowboy-Stadt Jackson Hole in Wyoming nach Las Vegas.

David Kaplan

Photo via Flickr user pitrotlab

Ich komme aus Jackson Hole, Wyoming, und mein Partner Alex Day aus Bend, Oregon. Wir sind also beide in—den Bergen aufgewachsen. Das haben wir immer ganz witzig gefunden, weil Bend und Jackson Hole auch diese eigenartige Geschwisterbeziehung zueinander haben.

Beide Städte sind isoliert, irgendwo mitten im Nirgendwo und superliberal. Viele Leute verbringen ihre Zeit zwischen den beiden Städten und es gibt einige Geschäfte, die in Jackson und in Bend eine Filiale haben.

Na gut, Jackson Hole ist eine Kleinstadt—keine Stadt. Bend ist auch eine Kleinstadt, aber ein bisschen größer. Wenn du nach Jackson gehst, findest du es dort „süß". Es gibt eine Bar, in der die Barhocker Pferdesättel sind. Die Million Dollar Cowboy Bar. Die ist toll. Sie ist ungefähr 50m von der Bar entfernt, an der wir beteiligt sind, The Rose. Die Barkeeper dort sind alle Cowboys. Und es gibt jedes Wochenende West Coast Swing-Abende, bei denen es richtig zur Sache geht. Fast jeden Abend gibt es Live-Musik. Da kommen die Cowboys und packen ihre frisch gebügelten steifen Hemden und ihre Hüte aus. Nach Hause zu fahren um die Barkultur meiner Heimatstadt mit unserer Bar dort mitzugestalten, ist ein verrücktes Gefühl.

Dort aufzuwachsen war super. Ich vermisse es jeden Tag und ich genieße jeden Moment, den ich dort verbringen kann. Früher ging ich jeden Tag Ski fahren. Es hatte jeden Tag Schnee. Meine Mutter lebt immer noch dort, also fahre ich immer wieder mal zurück.

Jackson ist extrem liberal. In einem roten Meer von Konservativen befindet sich der blaue, liberale Fleck Jackson, der zwar winzig ist, aber dafür umso heller leuchtet. Einmal gab es eine Parade, bei der eine Statue von Dick Cheney, der dort ein Haus hatte, gestürzt und über den Stadtplatz gezogen wurde. Das war als Hommage an den Sturz der Saddam-Hussein-Statue im Jahr 2003 gedacht.

Ich ging in Upstate New York zur Uni und studierte Fotografie. Ich denke, das hat mich auf jeden Fall weitergebracht und beeinflusst meine Arbeit bis heute. Es war mir aber immer klar, dass ich nicht in einer Kunstgalerie arbeiten wollte. Ich liebe es, Gastgeber zu sein, ich liebe Spirituosen und wollte unbedingt in der Gastronomie arbeiten.

Mit Hilfe der Kontakte meines Cousins, bekam ich einen recht sinnfreien Job als VIP- Host in einem Club in Las Vegas. Meine Visitenkarte habe ich immer noch. Ich war immer frisch rasiert und musste jeden Tag einen Anzug und bunte Krawatten tragen. An meinem Gürtel war ein Walkie-Talkie befestigt und an meinem Ärmel ein Earpiece festgemacht. Der Club war riesig—ich glaub es passten ungefähr 3500 Leute rein. Ein gigantischer, riesengroßer Club. Es gab sieben verschiedene VIP-Bereiche und ich war einer von sechs VIP-Hosts. Meistens hatte ich nicht besonders viel zu tun, weil sie eigentlich genug Hosts hatten und ich nur angestellt wurde, weil der Boss mit meinem Cousin befreundet war.

Sechs Monate lang hatte ich also fast nichts zu tun. Und ich hatte auch fast keine Verantwortung. Ich war noch nie ein Club- oder Las Vegas-Fan, also interessierte mich das alles nicht wirklich, aber es war sehr unterhaltsam. Ich studierte im Nebenfach Soziologie, also sah ich das Ganze einfach als riesige soziologische Studie über Possen. Amerikanische Possen. Ernst nahm ich es dennoch, weil ich ins Bargeschäft einsteigen wollte. Es war eine sehr ruhige, fast schon meditative Zeit für mich und ich verdiente gutes Geld. Ich hatte viel Zeit, also las ich jedes Buch, das ich fand: Opening Bars for Dummies, Business Plans for Idiots, im Prinzip jedes Buch, das für Leute ohne wirtschaftliche Ausbildung geschrieben war. Bücher über Bardesign. Ich häufte eine ganze Bibliothek von Büchern an und verschlang sie alle. Zu diesem Zeitpunkt realisierte ich, dass es auch Cocktailbücher gibt, in denen die Leute wissen, von was sie reden. David Wondrich hatte damals gerade sein erstes Buch veröffentlicht. Ich war besessen davon und machte jede Nacht so viele Notizen, wie ich nur konnte.

Nach meiner Zeit in Las Vegas war ich verzweifelt auf der Suche nach Mehrwert. Für einen 21- oder 22-Jährigen ist es ja eigentlich schwierig, der Versuchung Las Vegas standzuhalten: Du verdienst gutes Geld, hast Zugang zu allem und die Lebenshaltungskosten sind unglaublich billig. Aber trotzdem war mir das nicht genug. Also ging ich nach New York und eröffnete neun Monate später das Death + Co. Ich war gerade erst 24.

Hier geht's zum Rezept für den Joy Division vom Death + Co.

In unserem Berufsleben gibt es für Alex und mich definitiv Zeiten, in denen es sehr hektisch ist und unglaublich schnelllebig, aber zeitweise auch sehr gediegen und feierlich zugeht. Es ist schön, immer wieder mal in die Berge zu fahren und einfach spazieren zu gehen. Bald habe ich zwei Tage frei, um meinen Vater auf seiner Ranch mitten in Wyoming zu besuchen.

David Kaplan ist der Co-Besitzer von Death + Co. and Proprietors LLC, gemeinsam mit Alex Day. Hier geht's zum dazugehörigen Artikel von Alex.