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    Mit Infarm wird dein Wohnzimmer zum Garten

    Im Februar 2014 beschlossen Osnat Michaeli und die Brüder Guy und Erez Galonska, in das Erdgeschoss eines Backsteingebäudes in Kreuzberg ein Gewächshaus zu bauen. Das war der Beginn des Startups Infarm, kurz für „Indoor Farming“.

    Dort stehen jetzt Hydrokulturen, Pflanzen in einem Becken, durch das Wasser fließt, das immer und immer wieder gefiltert und mit Sauer- und Nährstoff angereichert wird. Das Licht zur Fotosynthese bekommen sie aus besonders sparsamen LED-Leuchten, die rund um die Uhr die Gewächse versorgen. Wo es nie Nacht wird, gedeiht es schneller. Ein Salatkopf wächst in drei Wochen.CloseUpRadishRioja

    Die drei Stadtmenschen wollten ihr eigenes Essen anbauen und begannen im Baumarkt Abwasserrohre und Pumpen, Eimer und Schläuche zu kaufen und bauten sich damit ihre erste Hydrokulturen-konstruktion im Wohnzimmer. Das war der Beginn des Unternehmens.

    Infarm baut heute hauptsächlich „Microgreens“ an–Keimlinge etwa von Thai Basilikum oder Rucola, die sehr geschmacksintensiv sind und vor allem in der gehobenen Küche zum Einsatz kommen. Ihr erstes Produkt war der Mini-Garden, ein faltbares Gewächshaus für die Wohnung in der Größe eines Kochtopfes. Wenn man darin die Samen pflanzt, dauert es zehn Tage, bis man sie ernten kann. Investiert man 20 € in diese–von Origami inspirierte– Brutstätte, ist das ein erster Schritt hin zum Lebensmittelproduzenten.

    „Man hat ja keine Ahnung, wie Produkte schmecken können, wenn man sie im Supermarkt kauft.“ Alles kann superfrisch produziert werden, „es macht natürlich einen großen Unterschied, ob etwas vor drei Tagen oder drei Minuten gepflückt worden ist“, sagt Guy Galonska, der ein ausgebildeter Koch ist.ErezOsGuy

    Spitzenköche sind hingerissen von der Vorstellung, so frische Produkte anbieten zu können. Osnat, Guy und Erez stellen dafür maßgefertigte Systeme her, die sie an Hotels und Restaurants verkaufen. Bald soll es das für Jedermann geben. Die Geschäftsidee überzeugt mittlerweile auch Investoren und eine Supermarktkette und gibt den drei Israelis die Möglichkeit im Gewächshaus zu experimentieren.

    Sie probieren sich an Kartoffeln ohne Boden, Roter Beete, die tatsächlich eine erdige Note hat, obwohl sie auf Wasser gezogen worden ist. Auch mit Tomaten, Auberginen und Bananen wird herumprobiert. Der Dill, den sie anbauen, riecht so intensiv, als würde man eine ganze Packung aufreißen, dabei ist das Stück nur so groß wie ein Fingernagel. Der Salat schmeckt so frisch, man könnte schwören, dass man den Boden riechen kann, ohne den diese moderne Form der Landwirtschaft auskommt.

    Dark Opal Basilikum Microgreens

    Schöne, neue Möglichkeiten: Wer träumt jetzt nicht von einem Erdbeerfeld im Wohnzimmer?

    Themen: Glashaus, Infarm, urban gardening