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    Wir haben uns mit Cheech über Mezcal, Marihuana und Kunst unterhalten

    Alle Fotos von Javier Cabral

    Viel Mezcal-Rauch um Nichts.

    Das wäre doch ein ganz guter Titel für den nächsten Film von Cheech Marin, denn der 69-jährige Schauspieler, Regisseur, Comedian und Autor hat mit Tres Papalote vor Kurzem seine eigene Mezcal-Marke auf den Markt gebracht. Ist es Zufall, dass seine Wahl dabei gerade auf eine der rauchigsten Spirituosen der Welt fiel? Natürlich nicht.

    Der dreifach destillierte Mezcal wird ausschließlich aus Cupreata-Agaven aus dem mexikanischen  Bundesstaat Guerrero gewonnen und weist einen doch recht beträchtlichen Alkoholwert von 46 Prozent auf. Die Marke wird sich neben dem Rest der nicht aus Oaxaca stammenden Mezcals wie etwa Bacanora, Sotol oder Raicilla einreihen, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind. Um legal unter dem Namen Mezcal verkauft werden zu dürfen, muss die Spirituose aus bestimmten mexikanischen Bundesstaaten stammen, nämlich Durango, Guerrero, Guanajuato, Michoacán, Oaxaca, San Luis Potosí, Tamaulipas oder Zacatecas.

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    Der „Tres Papalote“-Mezcal

    Das auf der Flasche abgebildete Motiv, welches von den mexikanischen Glasskulpturen der De La Torres-Brüder inspiriert wurde, ist genauso komplex wie der Mezcal, der sich in der Flasche befindet. Im Anbetracht der Tatsache, dass Cheech ein begeisterter Sammler von Chicano-Kunst ist, überrascht das kaum.

    Wir waren bei Cheech zu Hause, um mit einem wunderschönen Ausblick auf den Pazifik Tacos zu essen, Mezcal und Tequila zu vergleichen und die Frage zu beantworten, ob er auch im hohen Alter noch unglaublich große Tüten wegraucht.

    MUNCHIES: Hi Cheech. Warum hast du dich gerade für Mezcal und nicht für eine andere Spirituose entschieden?
    Cheech Marin: Meiner Meinung nach wird Mezcal nicht die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt. Irgendwie hat jeder auch eine falsche Vorstellung davon, was dieses Getränk überhaupt ist—es schmeckt nämlich nicht wie Benzin, in dem ein Wurm enthalten ist. Ich wusste direkt nach meinem ersten Schluck, dass Mezcal richtig gutes Zeug ist. Die Leute beachten das Ganze allerdings nicht wirklich. Der Chicano-Kunst ergeht es leider genauso. Ich schlage mich jedoch immer gerne auf die Seite des Underdogs.

    Seit deinem Film Viel Rauch um Nichts ist jetzt schon einige Zeit vergangen. Hättest du jemals gedacht, dass du mal ins Mezcal-Geschäft einsteigen würdest?
    Kein bisschen. Als ich noch jung war, habe ich ja auch kaum Alkohol getrunken. Jetzt gönne ich mir da schon ein bisschen mehr. Ich stehe einfach total darauf, wie Mezcal schmeckt. Ich trinke auch nicht, um betrunken zu werden, sondern nur, um den Geschmack zu genießen. Wenn man Mezcal mit etwas Chili und Limettensaft aufpeppt, dann hat man direkt einen tollen Cocktail. Aber auch pur schmeckt er richtig gut.

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    Eine Hommage an Edward Kielholz’ ‚Back Seat Dodge‘ von Frank Romero

    Wann hast du zum ersten Mal Mezcal getrunken?
    Das war vor vier Jahren. Ich war mit meinem Vertriebspartner unterwegs und er meinte: „Ich will etwas mit dir kreieren.“ Da ich auch Tequila liebe, dachten wir zuerst an Tequila, aber auf diesem Gebiet wurde schon zu viel gemacht. Deshalb sagte ich: „Lass es uns doch mit Mezcal versuchen.“ Daraufhin sind wir in das Restaurant Rivera gegangen und haben dort mehrere Sorten probiert. John Sedlar war einer der ersten Köche, die mich Mezcal aus Erzeugerabfüllung in Berührung gebracht haben.

    Wie würdest du den Geschmack von Tres Papalote beschreiben?
    Tres Papalote hat einen richtig herzhaften Geschmack, der aufgrund der Rauchnote auch richtig markant daherkommt. Es gibt nicht wirklich viele Drinks mit rauchigem Geschmack. Er passt zu vielen Gerichten, aber natürlich vor allem zur mexikanischen Küche. Vor Kurzem war ich bei Broken Spanish und dort geht er mit allem Hand in Hand.

    Wie bereits gesagt, lässt sich Mezcal gut mit Chicano-Kunst vergleichen: Man kann sich erst eine Meinung darüber bilden, wenn man es ausprobiert hat. Und viele Leute haben Mezcal noch nie getrunken. Das will ich ändern.

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    ‚R U Ready?‘ von Carlos Donjuan

    Wie bist du auf den Aufdruck der Flaschen gekommen?
    Der stammt von einem Kunstwerk der De La Torres-Brüder, das hier bei mir zu Hause hängt. Auf mich macht es einen total bizarren Eindruck und für die Flasche wollte ich einfach etwas, das die Blicke auf sich zieht und sich von den Aufdrucken auf anderen Mezcal-Flaschen abhebt.

    Hast du dich schon mal gleichzeitig bekifft und mit Mezcal betrunken?
    Ja, klar. Witzig, dass du fragst.

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    Ein Porträt, das in Cheechs Büro hängt

    Wie fühlt sich das an?
    Beide Dinge sind entspannend und wohltuend. Das gefällt mir.

    Gibt es eine Cannabis-Sorte, die besonders gut zu deinem Mezcal passt?
    Auf jeden Fall. Ich bringe demnächst auch mein eigenes Gras auf den Markt. Das kommt aus meinem Privatbesitz und wird mehrere verschiedene Sorten umfassen. Wir arbeiten gerade zusammen mit einem Züchter aus Arizona an einer Sorte, die wir „Dusted Nugz“ nennen: Dafür kochen wir das Zeug, das von der Pflanze abfällt, zuerst ein und sprühen das Ganze dann auf das eigentliche Gras. Und huuuiiiii—es entfaltet seine Wirkung richtig schnell.

    Ja, diese Sorte würde ich empfehlen, denn sie ist so etwas wie der Cognac der Marihuana-Welt.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Themen: agave, Alkohol, Cheech, Cheech und Chong, Getränk, Gras, Kunst, Los Angeles, Marihuana, Mezcal, Rauch, Spirituose, Tres Papalote