Wein trinken ohne Kater könnte schon bald Realität werden

Endlich wurden deine Gebete erhört: Forscher haben vor Kurzem herausgefunden, wie man Hefe dahingehend modifizieren kann, dass daraus gesünderer Wein produziert werden kann, bei dem dir der gefürchtete Kater am Tag danach erspart bleibt.

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18 März 2015, 5:25pm

Photo via Flickr user Chris Cheung

Wein: fantastisch. Wein-Kater: wahnsinnig grausam. Das ist das unglückliche Dilemma, in dem wir uns befinden, wenn wir einen wunderbaren Abend mit reichlich Merlot verbracht haben, am nächsten Morgen jedoch von pochenden Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Selbsthass geplagt werden.

Vielleicht muss das aber nicht so sein.

HOW-TO: Weinflasche mit einem Schuh öffnen

Neue Forschungsergebnisse, die kürzlich im wissenschaftlichen Journal Applied and Environmental Microbiology veröffentlich wurden, legen nahe, dass eine genmanipulierte Hefesorte endlich die langersehnte Rettung vor dem furchtbaren Kater sein könnte. Wissenschaftler haben ein „Genommesser" entwickelt, das ihnen ermöglicht, präzises Metabolic Engineering an Mikroben durchzuführen—unter anderem auch an Backhefe-Stämmen, die bei der Produktion von Wein, Bier und anderen fermentierten Lebensmitteln zum Einsatz kommen. Mit diesem „Messer" können all die positiven Seiten des Weinkonsums (die Gesundheitsvorteile beispielsweise) verstärkt werden, während die negativen Seiten abgeschwächt werden können (also die physischen Folgen). Weinliebhaber, freut euch!

Yong-Su Jin, ein außerordentlicher Professor an der University of Illinois, erklärt, dass es in der Vergangenheit schwierig war, mit polyploiden Stämmen von Hefe, die in Brot und alkoholischen Getränken vorkommen, weil sie komplexe Genome mit mehreren Kopien jedes Gens haben. Das neue „Genommesser" kann all die Kopien eines Gens mit verbesserter Genauigkeit durchschneiden, was bedeutet, dass unveränderte Kopien eines Gens, die nachträglich modifizierte Kopien verändern, kein Problem mehr darstellen. Bei diesem „Messer" handelt es sich übrigens nicht um eine winzig kleine Stahlklinge, sondern um ein Enzym (weniger aufregend, dafür aber realistischer).

Aber genug der Wissenschaft—wenden wir uns der spaßigen Seite von Alkohol zu.

Die Hefe, die mit Hilfe dieses Enzyms verändert wurde, kann beispielsweise für Wein mit erhöhtem Resveratrol-Gehalt sorgen. Bei Resveratrol handelt es sich um ein ganz besonderes Antioxidans, das nicht nur Krebs und Herzerkrankungen bekämpft, sondern auch Pickel verschwinden lässt und uns dabei hilft, unsere Geistesschärfe zu behalten. Und jetzt können wir mit jedem Glas Bordeaux zehn Mal so viel davon haben!

Das „Genommesser" besitzt auch Eigenschaften, mit denen ein zweiter malolaktischer Gärungsprozess aktiviert wird, der den Wein lieblicher macht und weniger toxische Nebenprodukte, die für den schlimmen Wein-Kater verantwortlich sein könnten, zur Folge hat.

Jin sagte, das Enzym könnte auch verwendet werden, um Wein mit Bestandteilen anderer medizinischer Nahrungsmittel wie Ginseng anzureichern. Das gilt übrigens nicht nur für unseren geliebten Traubensaft, sondern für alle fermentierten Lebensmittel wie Bier, Käse, Essiggurken, Kefir oder Kimchi.

Ein weiterer interessanter Verwendungszweck des Enzyms ist die Isolierung von Genen, die für bestimmte Aromen verantwortlich sind—die, die manche Weine leckerer, tanninbetonter, trockener, lieblicher oder was auch immer, als andere machen. In anderen Worten: Fast jede Eigenschaft eines Glas Weins kann auf genetischer Ebene aufgeschlüsselt werden.

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Genmodifikation macht dir ein bisschen Angst? Jin argumentiert, dass dieses neue „Werkzeug" im Vergleich zu den bereits bestehenden Methoden der gentechnischen Veränderung einen Fortschritt darstellt, weil kein Bedarf an sogenannten Antibiotikaresistenzgenen besteht. Dies stellt eine der größten Bedenken im Hinblick auf die GVO-Technologie dar , weil durch diese Gene das Risiko erhöht wird, dass gefährliche Bakterien eine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln.

Lebensmittelpolitik ist das Eine, aber Wein, der deine Haut reiner macht, deinem Gedächtnis einen Schub verpasst und dich am nächsten Morgen genauso wie am Vorabend strahlen lässt? Klingt schon ziemlich verlockend.