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Gesundheit

Kein Gemüse auf den Speiseplänen: Kommt der Skorbut zurück?

Ja, es heißt der Skorbut. Schlag es nach.

Phoebe Hurst

Phoebe Hurst

Bild via Imago.

Wenn auch zu den küchenscheuen Studenten gehörst oder ein Teenager mit einer Aversion gegen jegliches Grünzeug auf deinem Teller warst, wurde dir wahrscheinlich ab und zu gesagt: „Du bekommst noch Skorbut, Kind!" Wahrscheinlich versuchten deine besorgten Eltern damit verzweifelt, dir ihre gesunde Salatkreation anzudrehen.

Doch in Australien geht derzeit die Angst um, dass Skorbut mehr als nur eine leere Drohung ist, um Jugendliche endlich von ihrer Pizza-Dauerdiät abzubringen.

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Prof. Jenny Gunton, vom Forschungszentrum für Diabetes, Adipositas und Endokrinoliogie am Westmead Institute in Sydney berichtet in der Fachzeitschrift Diabetic Medicine, dass sie gut ein Dutzend Patienten im Westmead-Krankenhaus in Sydney kürzlich mit Skorbut diagnostiziert hat.

Gunton entdeckte die Krankheit, als sie eine Patientin mit einer Wunde am Bein behandelte, die einfach nicht verheilte. Skorbut wird durch einen Vitamin-C-Mangel ausgelöst und der Körper kann kein Kollagen mehr produzieren. Die Krankheit war vor allem im 18. Jahrhundert unter Seemännern verbreitet, die auf See kein frisches Obst oder Gemüse hatten; heutzutage nahm man an, dass sie in Industrieländern nur noch selten auftritt. Die australischen Gesundheitsbehörden testen die Patienten in der Regel nicht auf Skorbut und führen auch keine Statistiken.

Die Forscherin fügte hinzu, dass jeder, der sich schlecht ernährt, Skorbut bekommen könnte, nicht nur Diabeteskranke. Gegenüber der BBC sagte sie: „Es gibt keine konkrete Verbindung zu Diabetes… Außer dass man bei einer schlechten Ernährung auch ein höheres Diabetesrisiko hat. Aber natürlich gibt es auch Diabetespatienten, die sich absolut guternähren."

Ihre Entdeckung lässt nun die Befürchtung aufkommen, dass Skorbut aufgrund der schlechten Ernährung viel weiter verbreitet in Australien sein könnte, als bisher angenommen. Wie die Australian Associated Press (AAP) berichtet, wurde in der Fachzeitschrift Nutrition & Dietetics kürzlich eine Studie veröffentlich, die besagt, dass nur sieben Prozent aller Erwachsenen in Australien die empfohlene Tagesmenge Gemüse essen. Die Autorin der Studie, Reetica Rekhy, sagte der AAP: „Wenn wir nicht das essen, was wir essen sollten, spiegelt sich das in unserer Gesundheit wieder und all diese Erkrankungen [wie Skorbut] werden auftreten bzw. wieder auftreten."

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Das Gute: Man kann Skorbut ziemlich einfach vorbeugen—wenn die Bevölkerung Zugang zu frischem Obst und Gemüse hat.

Gortons Tipp: „Essen Sie Obst, essen Sie Gemüse—und kochen Sie das Gemüse nicht zu lang. Wenn Sie das nicht hinbekommen, nehmen sie eine Vitamin-C-Tablette pro Tag. Eine gesunde Ernährung ist jedoch die bessere Lösung."

Da jedoch Millionen von Menschen auf der Welt in sogenannten Ernährungswüsten leben und Obst und Gemüse für Geringverdiener einfach unerschwinglich sind, wird das vielleicht nicht der letzte Fall von Skorbut in unseren Zeiten sein.