Alle Bilder von der Autorin.

Unprätentiöse Imbisse: Mustafas Gemüse Kebap für Fortgeschrittene

Dieses Mal mit tierisch Bock auf Gemüsedöner und einer Aversion gegen die kilometerlange Schlange vor Mustafas Gemüse Kebap. Ich war auf der Suche nach den besten und garantiert “schlangenfreien” Alternativen in Berlin.

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Mai 18 2015, 4:24pm

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Street Food ist meine Schwester und ich schütze ihre Ehre. Für Munchies bin ich deswegen ab sofort regelmäßig auf geheimer Mission in Berlin unterwegs, um genau die Spots ausfindig zu machen, die für kleines Geld exzellentes Essen bieten. Unprätentiös, kostengünstig und schmackhaft - das wahre Street Food Berlins. Dieses Mal mit tierisch Bock auf Gemüsedöner und einer Aversion gegen die kilometerlange Schlange vor Mustafas Gemüse Kebap. Ich war auf der Suche nach den besten und garantiert "schlangenfreien" Alternativen in Berlin.

Lieber Mustafa, wir müssen reden! Es tut mir aufrichtig leid, dass ich mich kürzlich auf die Suche nach Alternativen zu deiner frittierten Gemüsegeilheit begeben habe, aber unsere innige Freundschaft, die ich seit Jahren mit dem Kauf unzähliger Döner und Dürüm intensiv pflege, gilt ab dem heutigen Tage offiziell als beendet, denn ich bin mit meinen inzwischen 29 Lenzen zugegebenermaßen etwas müde geworden, stundenlang in einer Schlange mit betrunkenen Frauentauschmüttern anzustehen und dabei den Geruch von Curry36 ertragen zu müssen, der erbarmungslos erahnen lässt, wie Frittierfett eigentlich nicht riechen sollte. Ich kann es mir beim besten Willen physisch und psychisch nicht mehr leisten mit Brandenburger Junggesellen in einer Reihe für die gleiche Speise zu versumpfen. Ich kann ihr nerviges Gestöhne nicht mehr ertragen, oder eben ihre gespielte Gleichgültigkeit hinsichtlich der Wartezeit. Am Ende wollte ich doch bloß einen deiner leckeren Döner mit einem Spritzer Zitrone, etwas Koriander und Streukäse, der so hübsch in der Sonne glänzt. Und deshalb zog ich weiter, um mich von deiner gnadenlosen Vorherrschaft im Kohlenhydrate-Fett-Game zu emanzipieren und an anderen Kebaps weiter zu reifen, denn andere Väter haben auch schöne Döner. So viel steht fest.

Ab heute bin ich also wieder vergeben. Es ist allerdings kompliziert und daher entschied ich mich für eine Polybeziehung mit den drei besten Alternativen, die Berlin vielleicht derzeit zu bieten hat:

Kottiwood:

Kottiwood liegt, wie es der Name schon vermuten lässt, direkt am Hotspot Kreuzbergs, dem Kottbusser Tor. Von den Außentischen des Döneretablissements hat man einen herrlich unverstellten Blick auf die U1, die an dieser Stelle oberirdisch fährt, sowie auf den dreispurigen Kreisel, in dem permanent aggressiv gehupt wird, auf den kleinen Markt, der nur abgelaufenes und wurmstichiges Gemüse verkauft und auf eine Menge Menschen ohne Ziele. In direkter Nachbarschaft kann man nach dem Dönerverzehr schnell noch ein Glas frischgepressten Orangensaft für einen Euro trinken, oder sich beim Baklava-Kauf von dem Typen mit der manipulierten Waage um 5 Euro abziehen lassen. Tische gibt es bei Kottiwood zu Genüge. Man könnte also zum Beispiel seinen Geburtstag hier ausrichten oder im Rahmen einer Beerdigung einkehren. Es ist in der Tat sehr sauber und das Personal ist gut gelaunt und freundlich. Das sagt mir als einfacher Mensch irgendwie zu.

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Die Klientel:

Nehmen wir mal an, es gäbe einen qualitativ hochwertigen Döner für einen guten Preis, wen würde das wohl anziehen? Richtig! Jeden! Bisher scheint der Ort aber noch ein echter Insider zu sein, denn eine Schlange bildet sich beim besten Willen nicht, auch wenn wir uns zu zweit große Mühe gegeben haben.

Das Gericht:

Wenn schon fremdgehen, dann soll es sich auch lohnen, dachte ich mir und nahm den ersten Bissen. Der Gemüsekebap besticht durch enorm frische Zutaten, Zitrone und eine feine Koriandernote. Ein krosses Brötchen hält das ganze Innenleben sicher zusammen. Hier sifft nichts rum. Der Salat ist frisch gewaschen und noch nicht erschlafft. Das Gemüse wird direkt vor meinen Augen in sauberen Fritteusen zubereitet und kommt noch heiß in den Döner. Der Käse ist angenehm würzig und der Spieß ist gut durchgebraten, aber noch saftig genug. Ich fühle mich zufrieden nach dem Mahl und bin satt.

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Tipps:

Der Döner freut sich sehr über etwas zusätzliche Würze. Man kann sich an der Theke zwischen "Justin Biber" Pul Biber und dem weitaus schärferen "Rambo-Pulver" entscheiden. Es ist ebenfalls empfehlenswert etwas mehr Sauce als üblich zu verlangen, denn die fiel bei meinem Döner ziemlich sparsam aus. Tomaten kann man sich wohl auch schenken. Aber das gilt ja für Gesamtdeutschland, wie ihr bestimmt wisst!

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Preis: Gemüsedöner 2,90 Euro. Solide.

Kottiwood

Reichenberger Straße 175

10999 Berlin Kreuzberg

Döner Dach:

Direkt nach dem Besuch am Kotti verschlägt es mich in den Simon-Dach-Kiez nach Friedrichshain. Gerüchteweise soll es hier in der Touri-Ecke einen verdammt guten Döner geben, der sich irgendwo zwischen den ansässigen Shisha-Bars und indischen Restaurants versteckt hält. Döner Dach scheint alle paar Monate mal den Namen und Inhaber zu wechseln, aber die Qualität ist eine sichere Konstante, die mich schon bei meinem ersten Besuch vor vier Jahren restlos überzeugt hat.

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Heute, an einem Sonntag, ist der Laden überraschend leer und der Typ hinter dem Tresen ist bestens gelaunt und erlaubt mir einen Blick in seine Salatbar zu werfen und Fotos zu machen. Der Döner ist schnell zubereitet und ich verschwinde mit einer riesigen Vanillemilch aus seinem Kühlregal und dem Chickengerät auf die Strasse, um direkt vor dem Laden, auf dem Boden hockend, zu essen wie ein pubertierender Rugbyspieler nach einem anstrengenden Spiel.

Die Klientel:

Der Simon-Dach-Kiez ist bekanntermaßen seine eigene Szene zu der niemand so recht dazugehören möchte. Viele Touristen stehen hier im Weg rum und irgendwie ist es immer etwas beschwerlich voranzukommen. Tagsüber sind dafür die meisten Menschen und letztlich auch Kunden von Döner Dach entspannt nüchtern. Abends ändert sich das Bild hingegen rasch, so dass ein Besuch im Hellen angeraten ist, außer man kehrt ebenfalls betrunken ein.

Das Gericht:

Ein Döner wie er im Buche steht. Knackig frittiertes Gemüse und Kartoffelspalten in einem schön angetosteten Brötchen, das ungewohnt intensiv aber sehr gut nach Kümmel schmeckt. Ein saftiges Hähnchenfleisch. Der Salat ist frisch. Die scharfe Sauce ist King. Vermutlich haben wir es hier sogar mit einer der besten scharfen Saucen Berlins zu tun. Ich vebeuge mich innerlich. Alles in allem ist der Döner stimmig gewürzt und zu meckern gibt es nun wirklich nichts.

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Tipps:

Einfach "Döner komplett" bestellen, dann die Fresse halten und genießen.

Preis: 3,00 Euro.

Döner Dach

Simon-Dach-Strasse 11

10245 Berlin Friedrichshain

Original Chicken Gemüse Kebap:

Wer hier isst, steht quasi in meinem erweiterten Wohnzimmer, denn ich lebe direkt um die Ecke und verbringe wöchentlich, wenn man meiner Swarm-History Glauben schenken darf, mindesten zwei Stunden an vier verschiedenen Tagen hier. Meine Ernährungspyramide steht vermutlich deshalb schon längst unter Denkmalschutz. Das Fundament bilden die großen Zwei: Döner und Dürüm. Hauptsächtlich bezogen von Original Chicken Gemüse Kebap, meinem Stammdealer. Der Ort selbst ist paradiesisch und befindet sich direkt auf einer Verkehrsinsel oberhalb des U-Bahn Eingangs Gneisenaustrasse. Der Name ist irgendwie vermessen, aber das finde ich tollkühn und draufgängerisch. Genau mein Style. Der Durchlauf am Imbiss ist aufgrund der Lage groß und der Spieß daher ständig unter Dauerfeuer in Rotation, was dem Fleisch geschmackstechnisch sehr zu Gute kommt. Man kennt mich hier in allen Zuständen. Heimat eben.

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Die Klientel:

Hier gehen die Profis vor ihrem Ritt mit der U7 noch schnell shoppen, um dann in Seelenruhe im überfüllten Großraumabteil der U-Bahn ihren Knoblauchsaucen-Döner mit Extrazwiebeln zu essen.

Das Gericht:

Auf der Karte befindet sich der geheimnisvolle "Dorf Dürüm". Ich erlaube mir seit Jahren den Spaß und bestelle ihn immer wieder, weil man mir jedes Mal die Auskunft erteilt, das ginge derzeit nicht. Also tendiere ich dann doch zu einem normalen Dürüm ohne Tomaten und mit scharfer Sauce und Knoblauchsauce. Mutige wählen hier die Curry- oder Cocktailsauce, aber das ist nichts für mich, denn ich bin ein echtes Gewohnheitstier.

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Im Dürüm befindet sich frittiertes Gemüse, frittierte Kartoffeln, ein leckerer Salatmix und würziger Krümmelkäse, sowie ein Hauch Zitrone. Für mich ist der Dürüm an diesem Imbiss nach wie vor ein großes Ding und mein Favorit in Berlin, besonders wenn ihn der älteste der Mitarbeiter genauso liebevoll einpackt wie ein Fünfjähriger mit schlechtem Gewissen sein Muttertagsgeschenk.

Tipps:

Einen Ayran dazu bestellen hat noch niemandem geschadet und falls ihr eine blonde Frau ohne Make-Up und mit ausgewaschener Joggingbuxe dort seht, sprecht sie bitte nicht an!

Preis: 3,50 Euro für einen riesigen Dürüm. Den Besten Berlins.

Original Chicken Gemüse Kebap

Gneisenaustrasse 89

10961 Berlin Kreuzberg