In den USA sollen keine Küken mehr geschreddert werden

Jedes Jahr werden weltweit mehr als drei Milliarden männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Sie sind ein unnötiges Nebenprodukt in einem System, wo nur Eier und Legehennen Gold wert sind.

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15 Juni 2016, 11:00am

Photo via Flickr user rcferdin

Seit einiger Zeit gibt es in den USA heftige Diskussionen über Legebatterrien und die Tierhaltung in der Geflügelzucht. Viele Tierschützer kritisieren, dass die Legehennen in durchschnittlich 0,04 m2 großen Käfigen gehalten werden—kleiner als ein A4-Blatt—, sodass sie nicht einmal ihre Flügel ausbreiten können. Doch die Debatte um die Käfiggröße verdeckt nur ein weiteres Problem der Geflügelindustrie.

Jedes Jahr werden laut Berichten des Guardian weltweit mehr als drei Milliarden männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Sie sind ein unnötiges Nebenprodukt in einem System, wo nur Eier und Legehennen Gold wert sind. In der Eierindustrie werden männliche Küken, da sie eben keine Eier legen können und auch nicht viel Brustfleisch entwickeln, wie Masthühner, lebendig geschreddert, vergast oder anderweitig getötet.

Das könnte sich in den USA allerdings drastisch ändern: Der Verband der Eierwirtschaft, United Egg Producers, verspricht, dass dieses Verfahren abgeschafft werden soll, was Millionen kleiner gelber Küken vor einem grausigen Tod bewahren könnte.

ARTIKEL: Wird das Kükenschreddern weitergehen?

Zusammen mit der Tierschutzorganisation The Humane League will der Wirtschaftsverband bis spätestens 2020—oder sobald es wirtschaftlich tragbar ist—damit aufhören, männliche Eintagsküken zu entsorgen Die in diesem Verband organisierten Landwirte produzieren 95 Prozent der Eier in den USA. Hier werden jährlich 200 Millionen männlicher Küken getötet.

„Die Entscheidung von United Egg Producers, sich gegen das Schreddern männlicher Küken zu stellen, ist historisch. Dadurch wird diese Praxisaus der amerikanischen Eierwirtschaft fast komplett verschwinden", so David Coman-Hidy, Geschäftsführer von The Humane League. „Ganz klar wird das Töten von Küken in den USA bald der Vergangenheit angehören."

Möglich wird das durch eine in Deutschland entwickelte Technologie, mit der Landwirte das Geschlecht des Kükens schon vor dem Schlüpfen bestimmen können, schon drei Tage nachdem das Ei gelegt wurde. Damit schlüpfen die männlichen Küken gar nicht erst—immerhin besser als kurz nach der Geburt bei lebendigem Leib zu Brei geschreddert zu werden.Die deutsche Geflügelwirtschaft hat sich ebenfalls dazu verpflichtet, diese In-ovo-Geschlechtsbestimmung, sobald sie technisch erprobt ist, zu verwenden und damit das Töten männlicher Küken zu beenden.

Nachdem es im Februar in Deutschland erste Ermittlungen gegen ein Unternehmen im Münsterland wegen Kükenschredderns gab und auch von Politikern ein Ende der Tötungen verlangt wurde, hat das Oberverwaltungsgericht in Münster nur drei Monate später entschieden, dass Kükenschreddern in Deutschland weiterhin erlaubt bleibt.

ARTIKEL: Das massenhafte Töten von männlichen Küken könnte bald ein Ende haben

Seltener wird bei vielen Diskussionen in den USA über Tierschutz auch die Eierindustrie bedacht, viel öfter geht es um die Fleischindustrie. Allerdings hat sich das in jüngster Zeit geändert: McDonald's, Taco Bell, Walmart und andere amerikanische Unternehmen, die Großkunden der Eierwirtschaft sind, haben sich dazu verpflichtet, auf Eier aus Käfighaltung zu verzichten.

Tierschutzorganisationen kritisieren allerdings auch noch andere Praktiken in der Eierwirtschaft—das Kürzen der Schnäbel, die Zwangsmauser, das frühe Schlachten und die unwürdige Tierhaltung—, allerdings ist diese Verpflichtung ein erster wichtiger Schritt.