Das meistgehasste Rezept im Netz: Bolognese ohne Tomaten

Weiße Bolognese ohne Tomaten? Natürlich kann man Experimente machen. Es ist aber nicht zu erwarten, dass man dafür geliebt wird.

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Aug. 24 2016, 10:00am

A more traditional Bolognese sauce. Photo via Flickr user Su-Lin

Natürlich macht es Spaß, in der Küche mal ein bisschen zu improvisieren, einen Klassiker zu nehmen, hier und da ein bisschen was abzuwandeln, bis etwas völlig Neues und Leckeres entsteht. Gin mit Tee statt Tonic? Warum nicht? Brownie und Cheesecake in einem Kuchen? Her damit.

Rigatoni mit weißer Bolognese? Gott bewahre, niemals.

Einige empörte Italiener entdeckten jetzt ein Rezept der New York Times für Rigatoni mit „weißer Bolognese" ohne Tomaten und, sagen wir mal vorsichtig, das war nicht so ihr Ding. Wie The Local berichtet, kaperten italienische User die Kommentarspalten und ließen ihrem Ärger über die frevelhafte Abwandlung der allseits beliebten und bekannten Bolognese freien Lauf.

„Nein, nein, nein…" beginnt ein Kommentar mit der Überschrift „Sakrileg". „Nennt das Rezept wie ihr wollt, aber nicht ,Bolognese', und lasst das keinen Italiener sehen. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Eine echte Bolognese wird mit Tomaten gemacht. Keine Tomate, keine Bolognese. Es gibt sogar ein offizielles Rezept, das die Accademia Italiana della Cucina bei der Handelskammer von Bologna 1982 hinterlegt hat. Einige entnervte User haben ihr letzten Kräfte aufgebracht, um das zu erklären.

„Eigentlich würden wir sofort einen Streit vom Zaun brechen, aber wir sind friedliebend", so ein Kommentar von Giovanni und Valentina aus Bologna. „1. Ragù alla Bolognese enthält Tomaten und keine Sahne; 2. Sahne und Wein darf man niemals mischen!!!; 3. Dieses Ragù ist schrecklich, bitte hören Sie auf, Rezepte zu kreieren; 4. Es gibt weißes Ragù, das wird aber vollkommen anders gemacht. Tipp: Machen Sieeinen Ausflug nach Bologna, damit Sie unsere großartige Küche verstehen. — Giovanni und Valentina."

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Doch nicht nur aus Bologna, sondern aus ganz Italien kamen Kommentare. Ein etwas verwirrter User schlussfolgerte, dass die weiße Bolognese für Leute mit Tomatenallergie sein muss. „Ich komme zwar aus Sizilien und nicht aus Bologna, aber ein Ragù alla Bolognese ohne Tomaten gibt es nicht", schreibt Salvo. „Ich glaube, das Rezept ist für Menschen, die keine Tomaten vertragen. Wer nicht an Tomatenintoleranz leidet, dem empfehle ich das traditionelle Rezept, das absolut lecker (BUONA) und einzigartig ist."

Nebenbei bemerkt empfiehlt die Times für ihr Rezept Rigatoni, ein absoluter Fauxpas. Fälschlicherweise denken viele, dass man Ragù alla Bolognese mit Spaghetti serviert—im Juli hat der Flughafen Bologna Ryanair freundlich darum gebeten, nicht mehr für ihre Flüge in die Stadt mit „Spaghetti Bolognese" zu werben. Zu richtiger Bolognese gehören Tagliatelle oder Lasagne.

Ganz klar ist nicht, warum die Italiener das Rezept gerade jetzt wiederentdecken, schließlich wurde es 2002 zum ersten Mal veröffentlicht und bei den anderen Lesern kam es ganz gut an, immerhin 600 User vergaben fünf Sterne. Wenn man die Kommentarspalten mal durchforstet, scheint es vor sieben bis acht Monaten bereits einen ähnlichen Aufschrei geben zu haben. Es gibt wohl nichts Schlimmeres als die Rache erzürnter italienischer Köche … selbst wenn sie 14 Jahre später kommt.

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Bereits in der Vergangenheit wurde die italienische Küche Opfer von Experimenten, erst vor Kurzem wagten sich die Franzosen von Barilla an ein ziemlich eigenwilliges Carbonara-Rezept und was sich manche in gutem Glauben da über ihre Nudeln schütten, verdient nicht mal ansatzweise den Namen Parmesan. Der Kampf der Italiener gegen beschissene Abwandlungen ihrer Gerichte ist wohl ein Kampf gegen Windmühlen.Die italienische Küche gehört zu den beliebtestender Welt, doch irgendwie versaut sie jeder.